Persönlich öffentlich : IBB-Preis für Photographie fördert junge Künstler

Seit 2007 lobt die Investitionsbank Berlin (IBB) gemeinsam mit dem Freundeskreis der Universität der Künste Berlin / Karl Hofer Gesellschaft e. V. den IBB-Preis für Photographie aus. Zum siebten Mal werden herausragende Absolventinnen und Absolventen der Universität der Künste, deren Abschluss nicht länger als fünf Jahre zurückliegt, prämiert.

Felix Hoffmann
Theresa Martinat,
Theresa Martinat,

Der IBB-Preise für Photographie wird im Rahmen einer Vernissage jedes Jahr im Atrium der IBB feierlich übergeben. Die jeweiligen Gewinner erhalten nicht nur ein Preisgeld in Höhe von 5000 Euro, sondern darüber hinaus einen Ausstellungskatalog als Starthilfe für ihre noch junge Karriere. Die Preisverleihung vor geladenen Gästen verschafft den jungen Künstlern die Gelegenheit, ihre Werke einem größeren Publikum zu präsentieren. Allein das ist eine ungemein wichtige Chance, sich als Künstler weiterzuentwickeln. Während bei C/O Berlin meistens etablierte Fotografen ausgestellt werden, die sich vielfach weltweit einen Namen erworben haben, steht der IBB-Preis immer am Beginn einer Karriere. Gerade deshalb ist die Arbeit als Juror so interessant, da man viele neue Ideen und jede Menge Gestaltungskraft und Ausdrucksfreude sehen darf! Aktuelle künstlerische Tendenzen mischen sich mit sozialen, foto- oder kunsthistorischen Fragestellungen. Das ist für mich als Kurator ein wunderbarer Gradmesser. Es ist in vielerlei Hinsicht eine Quelle von unschätzbarem Wert, auch oder gerade weil nicht alle Teilnehmer eine geradlinige Karriere einschlagen werden.

2013 hat Theresa Martinat (*1989) den IBB Photopreis gewonnen. Die gebürtige Ludwigsburgerin, eine Absolventin der Universität der Künste Berlin (UdK) bei Professor Hito Steyerl, haben wir einstimmig für ihre direkte und kompromisslose Arbeiten gewürdigt. Sie hat eine Real-Reportage über ihre Erlebnisse in Berlin, New York und anderen Städten zwischen 2010 bis 2012 entwickelt. In Büchern mischte sie eigene Fotos mit Nachrichten aus sozialen Netzwerken. Daraus entstand eine sehr persönliche Geschichte, die sie nun der Öffentlichkeit zugänglich macht. Diese Auseinandersetzung mit Gefühlen, Sexualität, persönlichen Gedanken ist nicht nur sehr direkt, sondern häufig verwirrend und unmittelbar. Die Fotos sind mit Tagebuchnotizen und Screenshots aus sozialen Netzwerken angereichert, um die „nicht wirkliche physische Kommunikation der Gruppe“ einzufangen. Dieses Werk unterscheidet sich stark von den anderen eingereichten Arbeiten. Es ist ein Produkt der modernen Medienwelt und Theresa Martinat ist eine digital native. Groß geworden mit dem Internet und sozialisiert durch soziale Netzwerke, traut sie sich, eine persönliche Geschichte offenzulegen, und reflektiert die aktuelle Diskussion auf einer anderen Ebene über die Transparenz unser aller Telefonate, Nachrichten oder Leben. Das ist brandaktuell und neu.

Eine lobende Anerkennung ging in diesem Jahr zum ersten Mal an ein Gemeinschaftsprojekt. Die Künstler Julius von Bismarck (*1983) und Julian Charrière (*1987) aus der Klasse Eliasson wurden für ihr Projekt „Some pigeons are more equal than others“ ausgezeichnet. In dieser tiefgründigen Arbeit an der Grenze zwischen Kunst und Wissenschaft entstand ein Buch mit Texten, denen 30 unterschiedlich gefärbte Tauben zugeordnet sind. Allen Tierfreunden sei versichert, dass nur Lebensmittelfarbe verwendet und keiner Taube Schaden zugefügt wurde. Die Photoserie wird ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sein, die nach der gestrigen Preisverleihung noch bis zum 6. Dezember 2013 im Atrium der IBB in der Bundesallee 210 aufgebaut ist.


Der Autor ist Mitglied der Jury, Kunsthistoriker und Hauptkurator C/O Berlin.

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