Zeitung Heute : Persönlicher Guide

11.10.2009 00:00 UhrVon Ljiljana NikolicD

Informatiker entwickeln neues Angebot für Museen

Wer in die Ausstellung „Koscher & Co. Über Essen und Religion“ im Jüdischen Museum Berlin geht, der kann nicht nur etwas über die Kaschrut, das jüdische Speisegesetz, erfahren. Mit nach Hause nehmen die Besucher der Sonderausstellung auch Anregungen für den heimischen Herd. Jeder Besucher erhält auf Wunsch einen großen Löffel, den er auf die Teller seiner Wahl legen kann und damit Rezepte für Speisen mit religiösem Hintergrund auswählt, deren Inhalte er später auf der Ausstellungswebsite erfährt.

Hinter dieser neuartigen Möglichkeit stecken Forscher aus dem Projekt „Poseidon“, an dem die Arbeitsgruppe „Informatik in Bildung und Gesellschaft“ der Humboldt-Universität beteiligt ist.

Poseidon steht für „Positions- und kontextsensitive Informationssysteme für Museen zur Demonstration des Potenzials der RFID-Technik“. Ziel des Projektes ist die Entwicklung verschiedener RFID-basierter Lösungen, die in Museen und öffentlichen Einrichtungen mit großem Besucherverkehr eingesetzt werden können.

„RFID steht für Radio Frequency Identification und wird viel für logistische Zwecke eingesetzt, es ermöglicht die Identifizierung von Gegenständen, ohne dass sie berührt werden müssen oder in Sichtweite sind", erklärt der HU-Informatiker Heinz-Günter Kuper. Mit der neuen Technik wird das Erfassen und Speichern von technischen Daten erheblich erleichtert. RFID gilt als potenzieller Nachfolger der Barcodes und kann wesentlich mehr Informationen speichern.

In dem Ausstellungsprojekt mit dem Jüdischen Museum befinden sich unter jedem „Rezept-Teller“ ein Lesegerät mit Software und ein so genanntes Tag in den Löffeln. Die beiden Geräte kommunizieren mit Hilfe von Funkwellen miteinander. Für den Besucher wird keine Technik sichtbar sein. „Das Jüdische Museum möchte mit Zusatzangeboten dieser Art einen Mehrwert für den Besucher erreichen“, sagt Lena Bonsiepen vom Jüdischen Museum. Die auf dem Löffel gespeicherten Daten enthielten nur die individuell gesammelten Rezepte, persönliche Daten des Besuchers würden nicht erhoben.

Weitere Angebote werden folgen, mit dem Ziel, das Audio-Guide-System des Jüdischen Museums Berlin weiterzuentwickeln. Wer heute in Museen einen Audio-Guide ausleiht, kann in der Regel Einspielungen in einer bestimmten Reihenfolge abhören. Eines der Ziele des Poseidon-Projekts ist, dass das Gerät selbst realisiert, wo ein Besucher steht und welches seine „Bedürfnisse“ sein könnten. Bedenken müssen die Wissenschaftler allerdings, dass jemand, der länger vor einem Gemälde steht, vielleicht gerade mit seinem Partner plauscht und gar kein tieferes Interesse an dem Exponat hat. Diskutiert werden auch Erlebnispfade für Schüler oder auch erweiterte Informationen für Menschen mit mehr Vorwissen.

Wie jede Technik birgt auch RFID Risiken in sich. „Es gibt vor allem datenschutzrechtliche Bedenken“, erklärt Kuper. Kritiker befürchten, dass mit Hilfe der Technik immer mehr persönliche Informationen in Umlauf geraten und missbraucht werden könnten. „Natürlich liegt es in unserem Interesse, nur Lösungen anzubieten, die den Datenschutz gewährleisten.“ Deshalb werden die Rezepte auch nicht per Mail an die Besucher gesandt. Ljiljana Nikolic

Die Ausstellung „Koscher & Co.“ kann bis zum 28. Februar 2010 besichtigt werden. Weitere Infos: www.jmberlin.de/koscher/

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