Zeitung Heute : Peter Müller?

„Namen sind Nachrichten“ besagt ein ehernes Gesetz im Journalismus. Peter Müller (CDU) könnte nach der Wahl Arbeitsminister werden. Wäre das eine gute Nachricht? Wir überprüfen täglich die Amtstauglichkeit eines Spitzenpolitikers – bis zur Wahl.

AMT: Ministerpräsidenten sind von Natur aus Generalisten. Bei Peter Müller ist das insofern extrem, als er im kleinen Saarland nicht nur jedes Fachgebiet kennt, sondern auch jeden einzelnen Bürger mindestens händeschüttelnderweise. Das ist ein netter Zustand, zumal Müller als schützenfestfester Gesellschaftstyp über das Schlafbedürfnis normaler Menschen nur den Kopf schüttelt. Aber ein bissele eng ist es auf Dauer doch zwischen Orscholz und Miesau.

Und der Gedanke ist ja nicht falsch, dass es die Saarländer im Grunde gerne sehen, wenn einer der Ihren im „Reich“, wie die Älteren manchmal noch sagen, etwas zu melden hat. Wobei die Hoffnung stets mitschwingt, dass der den dünn gewordenen Geldfluss des Bundes an die Saar wieder ein wenig verstärkt.

AMBITIONEN: Müller hat sich bundesweit einen Namen gemacht, als er für Angela Merkels CDU das schwierige Thema Zuwanderung neu bearbeitete. Der beharrlich vorgetragene Satz „Deutschland ist ein Zuwanderungsland“ hat ihm den Ruf eines Liberalen und das Misstrauen der Bayern eingetragen. Ein halber Irrtum, denn Müller ist nicht für Multikulti, sondern bloß für Realismus. Mit Roland Koch, Junge-Union-Kumpel aus der „Andenpakt“-Generation, versteht er sich prächtig, was gelegentlich seinen Mangel an natürlicher Hausmacht kompensiert hat. Er gehört zu der mit allen Wassern gewaschenen Sorte Politiker. Dass die Anhebung der Mehrwertsteuer im Unionsprogramm steht, geht auf ihn zurück. Dass die Länder einen gewissen Teil dieser Beute kriegen sollen, ebenfalls. Kein echtes Geheimnis ist es mehr, dass es Müller nach Berlin lockt. Eine Kanzlerin Merkel sähe ihn schon deshalb gern dort, weil sonst keiner der starken Länderchefs wechseln mag. Also sollte Müller schon zum Kompetenzteam der Kandidatin gehören.

AUSSICHTEN: In ein Arbeitsministerium würde Müller schon vom jovialen Typ her am Besten passen. Er kann nämlich kompliziert denken, redet aber eigentlich lieber so, dass sie ihn beim Schützenfest auch verstehen. Dazu kommt: Der Sozialbereich ist vakant, seit sich Horst Seehofer aus der Mannschaft katapultiert hat und Karl-Josef Laumann als Landessozialminister nach Düsseldorf ging. Das vor sieben Jahren zusammengelegte Wirtschafts- und Sozialministerium würde dann wieder getrennt, vielleicht mit ein paar zusätzlichen Kompetenzen. Aber siehe oben: Ministerpräsidenten sind Generalisten. Deshalb gilt Müller prinzipiell als vielfältig einsetzbar.

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