Zeitung Heute : Peugeot 307: Völlig neue Proportionen

Ingo von Dahlern

Er ist ein Peugeot, der neue 307 - das erkennt man auf den ersten Blick. Dennoch ist er trotz vieler Parallelen zum kleinen 206 ganz anders als alle bisher gebauten Modelle der Marke mit dem Löwen. Und vor allem so ganz anders als der Peugeot 306. Stellt man beide nebeneinander, dann kommt kaum jemand auf den Gedanken, dass es sich beim 307 um den Nachfolger des 306 handelt. Denn der 307 bedeutet für Peugeot einen ganz bewussten Bruch mit der bisher in der kompakten Mittelklasse verfolgten Linie. Mit seiner weit nach vorn gerückten Frontscheibe, der um sechs Zentimeter kürzer gewordenen Karosserie, dem um drei Zentimeter gewachsenen Radstand und einer Höhe von 1,51 Meter ergeben sich völlig neue Proportionen für diese Fahrzeugklasse. Proportionen allerdings, die es nicht nur bei Peugeot gibt, denn in seiner Silhouette zeigt der 307 verblüffende Ähnlichkeit mit dem ebenfalls brandneuen Honda Civic und damit eine Linie, die derzeit gewissermaßen in der Luft zu liegen scheint. Eine Linie mit einigen typischen Elementen von Minivans, ohne dass dieses Auto aber ein Minivan ist.

Größter Vorzug dieser ungewohnten aber durchaus ansprechenden und sehr dynamischen Optik ist das erheblich gewachsene Platzangebot für die Passagiere dieses Autos. Denn selbst wenn es sich Fahrer und Beifahrer vorn richtig bequem machen, bleibt den Fondpassagieren ungewohnt viel Platz - in der Breite ebenso wie in der Höhe. Damit ist der 307 nicht nur familien- sondern vor allen Dingen auch reisetauglich selbst für große Touren. Mit der Einschränkung allerdings, dass der Kofferraum mit nun 341 Liter gerade einmal drei Liter größer ist als beim 306.

Ebenso neu wie die äußere Linie präsentiert sich das Interieur des 307, bei dem Peugeot konsequent auf hohe Qualität bei den verwendeten Werkstoffen wie der Verarbeitung setzt. Mit dem Ergebnis allerdings, dass dieses Interieur zwar ausgesprochen edel wirkt, aber zugleich auch ein wenig nüchtern. Aber das ist Geschmackssache. Und dem persönlichen Geschmack der 307-Käufer breiten Spielraum lässt Peugeot mit dem Angebot nicht nur von fünf Ausstattungslinien, sondern fünf verschiedenen Designvarianten des Interieurs mit unterschiedlichen Farben, Oberflächenstrukturen und Werkstoffen. Da ist es möglich, dass sich jeder seinen ganz individuellen 307 zusammenstellt.

Der präsentiert sich in jeder möglichen Variante als ein besonders gut ausgestattetes, extrem sicheres und in vielen Details wegweisendes Auto. So gehört zur serienmäßigen Sicherheitsausstattung bei allen Varianten neben der Fahrdynamikregelung ESP (Eletronic Stability Program) ein Bremsassistent und auf allen fünf Plätzen gibt es Dreipunktgurte mit pyrotechnischen Gurtstraffern. Neben Airbags für Fahrer und Beifahrer hat der 307 sowohl Seiten- als auch Window-Bags. Neben aktiven Kopfstützen, die mit den "Spinal Care System" genannten aktiven Rückenlehnen kombiniert sind, gibt es erstmals eine "aktive Fußstütze", die bei Frontalzusammenstößen Verletzungen im linken Fußknöchel vermeiden hilft.

Unter der Motorhaube, sie ist aus Gründen der Gewichtsersparnis aus Aluminium gefertigt, stehen für den Start des 307 in Deutschland in der zweiten Juniwoche vier Motoren zur Wahl - zwei Benziner und zwei direkt einspritzende 1,9-Liter-Diesel mit 66 und 80 kW (90 und 101 PS). Der stärkere dieser HDi-Motoren hat den bereits im 607 eingeführten und inzwischen auch im 405 verfügbaren Partikelfilter, der die Partikelemissionen auf Null reduziert. Basismotorisierung bei den Benzinern ist der bereits im 206 CC eingesetzte 1,6-Liter mit 80 kW (109 PS). 100 kW (136 PS) leistet der Zweiliter-Vierventiler, der wie alle übrigen Motoren anfangs mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe kombiniert sein wird. Als Alternative wird Peugeot künftig auch eine Automatik mit Porsche-Tiptronic anbieten.

Bewährte Wege gingen die Entwickler des 307 beim Fahrwerk. Denn hier setzen sie auf Lösungen, die bereits im Konzern verfügbar sind. So erhielt der 307 eine Federbein-Vorderachse und eine besonders leichte und zugleich kompakte Verbundlenker-Hinterachse. Gelenkt wird mit einer Zahnstangenlenkung mit elektro-hydraulischer Servounterstützung, gebremst mit vier Scheiben und unterstützt durch ein ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung sowie den bereits erwähnten Bremsassistenten. Er sorgt bei Gefahrenbremsungen automatisch für maximale Verzögerung. Je nach Ausstattung rollt der 307 auf Rädern von 15 bis 17 Zoll.

Zu den Innovationen beim Peugeot 307 gehören die komplett aus Kunststoff gefertigten vorderen Kotflügel, die nach leichten Remplern wieder ihre ursprüngliche Form einnehmen. Die modernen Scheinwerfer schwenken bei solchen Remplern so weg, dass Beschädigungen ihrer aufwändigen elektronischen Steuergeräte möglichst vermieden werden. Übrigens verfügen die Scheinwerfer nun auch in dieser Klasse von Peugeot über die bei Dunkelheit aktiv werdende Einschaltautomatik, die Peugeot bereits im 607 anbietet. Sie ist mit einem Regensensor kombiniert. Ein neues Sicherheitselement ist zudem die Einschaltautomatik für die Warnblinkanlage bei starker Fahrzeugverzögerung. Und automatisch wird schließlich ein Notruf abgesetzt, wenn bei einem Unfall die vorderen Airbags ausgelöst wurden.

Peugeot wird seinen neuen 307 sowohl als Drei- als auch als Fünftürer anbieten, die beide dank asymmetrisch geteilter und bei Bedarf komplett vorklappbarer Rückbank über einen variablen Laderaum verfügen, der durch die Heckklappe zugänglich ist, deren rahmenlos erscheinende Heckscheibe die gesamte Breite der Heckklappenöffnung einnimmt. Neben dem neuen 307, von dem in den beiden Werken Souchaux und Mühlhausen rund 2000 Exemplare täglich von den Bändern rollen sollen, wird es vorerst noch drei Versionen des 306 geben: die Stufenhecklimousine, den Kombi und das Cabrio. Derzeit noch nicht bekannt sind die Preise für den neuen 307, die allerdings unter 30 000 DM beginnen sollen.

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