Zeitung Heute : Peugeot 607 HDi: Der Saubermann

Respektabel tritt er auf - der neue Oberklasse-Peugeot 607, der seit Jahresbeginn nun auch bei den deutschen Händlern der Marke mit dem Löwen steht. Knapp 4,88 Meter misst er in der Länge, beachtliche 1,80 Meter in der Breite. Das verspricht in der 1,44 Meter hohen überraschend leicht und gestreckt wirkenden Karosserie mit ihrem Radstand von 2,80 Meter eine Menge Platz. Ein Versprechen, das dieses Auto vollauf erfüllt. Nicht nur mit dem großzügigen Passagierraum, sondern auch dem 510 Liter fassenden Gepäckabteil, das sich bei Bedarf durch Vorklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank noch erweitern lässt. Besonders angenehm und für Peugeot bislang nicht selbstverständlich ist, dass man die elektrisch einstellbaren Sitze auf Wunsch auch in eine sehr tiefe Position bringen kann. Und mit Hilfe der Lenkradverstellung findet man dann problemlos eine bequeme und sichere Position hinterm Steuer.

Das nahmen wir soeben für eine längere Strecke in die Hand beim 607 HDi - der Dieselversion des großen Peugeot also, bei der die französischen Motorenentwickler bei der Abgasreinigung ganz eigene Wege gehen. Denn dieses Auto ist der erste direkt einspritzende Turbodiesel auf dem Personenwagenmarkt, bei dem die Abgase vor dem Verlassen des Auspuffs durch einen Partikelfilter geleitet werden. Mit dem Ergebnis, dass dieses Auto keine Partikel mehr in die Umwelt entlässt. Damit hat man sich bei Peugeot im Unterschied zu den übrigen Diesel-Anbietern, die zur Minimierung von Schadstoffen und Partikeln durchweg auf sehr aufwändige Techniken zur optimalen Steuerung des Verbrennungsablaufs im Motor sowie Abgasreinigungssysteme mit Abgasrückführung und Oxidationskatalysatoren setzen und damit auch problemlos die geltenden Normen einhalten, entschlossen, darüber hinaus noch ein wenig mehr zu tun. Mit Blick auf die immer wieder aufflammende Debatte über die mögliche Schädlichkeit von Diesel-Partikeln sicher der überzeugendste Weg, solchen Debatten die Spitze zu nehmen. Und mit Blick auf den zusehends wachsenden Anteil von Dieselfahrzeugen bei den Neuzulassungen zugleich auch ein überzeugender Ansatz, selbst bei bisher dem Diesel eher skeptisch gegenüber stehenden Autokäufern Vertrauen in diese besonders sparsamen Motoren zu schaffen. Kurzum, Peugeot leistet mit dem Partikelfilter respektable Pionierarbeit.

Die Technik, die hier eingesetzt wird, ist im Ergebnis relativ einfach - auch wenn die Wege zu dieser Technik extrem hohen Forschungs- und Entwicklungsaufwand erforderten. Denn Ziel der Entwicklungs eines Partikelfilters musste es sein, den Kunden eine zuverlässige und keinen hohen Zusatzaufwand verlangende Technik anbieten zu können. Das ist mit dem Rußpartikelfilter (FAP) denn auch gelungen. Denn das System arbeitet vollautomatisch, ohne dass man als Fahrer auch nur den geringsten Handschlag tun muss. Und der Wartungsaufwand beschränkt sich darauf, dass der Filter alle 80000 Kilometer in der Werkstatt gereinigt und dabei auch gleich der Additiv-Tank am Kraftstofftank mit fünf Liter einer "Eolys" genannten Flüssigkeit gefüllt wird.

Dieses Additiv, das bei jedem Tanken dem Kraftstoff automatisch zugemischt wird, spielt eine entscheidende Rolle bei der Reinigung des Partikelfilters, die in Abständen von jeweils 400 bis 500 Kilometer vollautomatisch geschieht, sobald Drucksensoren eine nachlassende Durchgängigkeit des Filters registrieren. Der Lenker des 607 HDi merkt von der rund zwei Minuten dauernden Regenerierung nichts. Werfen wir einen kurzen Blick auf diesen Ablauf.

Gesammelt werden die Partikel in einem speziellen Filter, der nach dem Oxidationskatalysator im Katalysatortopf sitzt. Seine poröse Struktur aus Siliziumkarbid mit Tausenden feiner Kanäle fängt die Partikel ein und hält sie zurück. Um sie zu beseitigen, müssen sie verbrannt werden. Das erfordert Abgastemperaturen von rund 550 Grad Celsius und damit erheblich mehr als die 150 Grad, die im normalen Fahrbetrieb erreicht werden.

Deshalb wird vom Einspritzsystem durch eine Nacheinspritzung eine Nachverbrennung gestartet, bei der die Abgastemperaturen im Katalysator auf 350 Grad Celsius steigen. Weitere 100 Grad Steigerung auf 450 Grad Celsius erreicht man durch die katalytische Nachbehandlung der bei der Nachverbrennung entstehenden unverbrannten Kohlenwasserstoffe. Für die Partikelverbrennung fehlen nun eigentlich noch 100 Grad. Doch nun benutzt man einen Trick. Denn das Additiv Eolys verändert die Partikel im Filter so, dass sie statt bei 550 Grad bereits bei 450 Grad verbrennen - also genau der Temperatur, die beim Nachverbrennungsprozess im Katalysator erreicht wird.

Die Partikelemissionen des Peugeot 607 HDi liegen dank dieser Technik unter der Nachweisgrenze. Das bestätigt übrigens auch ein derzeit beim ADAC in Zusammenarbeit mit dem Umweltbundesamt laufender Langzeittest über eine Strecke von 80000 km. Bis jetzt wurden rund 40000 Kilometer zurückgelegt, ohne dass Partikelemissionen gemessen werden konnten.

Ein sauberer Auspuff, so wichtig er für unsere Umwelt ist, kann natürlich nicht das einzige Argument für den Kauf eines 607 HDi sein. Deshalb noch ein paar weitere Punkte zu diesem Auto, dessen 98 kW (133 PS) leistender 2,2-Liter-Vierzylinder-Vierventiler mit Common-Rail-Hochdruckeinspritzung mit einem höchsten Drehmoment von 317 Nm bei 2000/min für respektable Fahrleistungen sorgt. So reichten der von uns gefahrenen Automatikversion mit Tiptronic 12,1 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und auf freier Autobahn wurden die 202 km/h Höchstgeschwindigkeit bequem erreicht.

Dass man einen Diesel fährt, erkennt man allenfalls beim Kaltlauf kurz nach dem Start. Ansonsten ist der 607 HDi erfreulich leise und kultiviert und zugleich mit durchschnittlich 7,2 l/100 km auch noch betont sparsam. Das Fahrwerk ist sehr komfortabel, die Ausstattung geradezu luxuriös und für höchste Sicherheit sorgt neben der kompletten Sicherheitsausstattung, zu der unter anderem auch Kopf- und Window-Airbags gehören, auch die Fahrdynamikregelung ESP. 62000 DM kostet der komfortable Saubermann mit Automatik - mit Fünfgang-Schaltgetriebe sind es 3000 DM weniger.

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