Zeitung Heute : Peugeot 807 - großer Van noch größer

Ingo von Dahlern

Sie sind ideale Familienautos - die Mitte der Achtziger eingeführten Minivans, die schnell Karriere machten und im heutigen Straßenbild sowohl im klassischen Großformat als auch in Kompaktversionen unübersehbar sind. Rund 2,2 Prozent aller in Europa neu zugelassenen Fahrzeuge zählen inzwischen zu diesen geräumigen, variablen und komfortablen Großraumlimousinen. Und besonders beliebt sind die ganz offensichtlich bei deutschen Autokäufern. Denn von den rund 350 000 Minivans, die derzeit in Europa jährlich neu zugelassen werden, rollen knapp 100 000 auf deutschen Straßen.

Mit der Beliebtheit der Vans wuchs allerdings auch die Zahl der Anbieter. Und das zwingt jeden davon, sehr genau zu rechnen. Denn trotz ihres Erfolges besetzen die Vans doch nur eine, wenn auch wichtige, Marktnische. Angesichts der hohen Entwicklungs- und Produktionskosten für neue Modelle bietet es sich da geradezu an, in diesem Fahrzeugsegment zu kooperieren. Das tun die französische PSA-Gruppe mit den Marken Peugeot und Citroën und Italiens

Fiat-Gruppe mit dem Marken Fiat und Lancia bei den Minivans bereits mit großem Erfolg seit 1994 mit dem Gemeinschaftsprojekt Citroën Evasion, Fiat Ulysse, Lancia Z und Peugeot 806, von denen insgesamt rund 404 000 Fahrzeuge gebaut wurden. Und das tun diese Partner auch künftig mit der nun zweiten Generation dieses Euro-Vans, die als Citroën C8, Fiat Ulysse, Lancia Phedra und Peugeot 807 Mitte September auf den Markt kommt.

41 Prozent mit dem Löwen

Der "Löwenanteil" der ersten Generation, nämlich 41 Prozent, trug übrigens das Markensignet von Peugeot - dem Unternehmen, das die Federführung bei der Entwicklung dieses Vans hat. Und so soll es auch bei der neuen Generation sein, von der bis zu 110 000 Exemplare pro Jahr von den Produktionsbändern des nordfranzösischen Werks Sevelnord in Valenciennes rollen werden. Und mit der Löwenvariante des neuen Eurovans, dem Peugeot 807 also, konnten wir in diesen Tagen erste Fahreindrücke mit dem neuen Eurovan sammeln, der gegenüber dem Vorgänger in fast allen Dimensionen zugelegt hat. Das gilt insbesondere für die Länge des 807, der mit nun 4,73 Meter 28 Zentimeter mehr misst als der 806 und mit einer Breite von 1,85 Meter sowie einer Höhe von 1,75 Meter ebenfalls gewachsen ist. Beibehalten wurde lediglich der Radstand von 2,82 Meter. Das Mehr an Länge bringt erheblich mehr Platz im Innenraum des 807, der vor allem in der Serienausstattung mit fünf Sitzen neben mehr Beinfreiheit im Fond einen respektablen 830 Liter fassenden Laderaum bietet und auch als Sieben- oder Achtsitzer in zweiten Sitzreihe bequemes Sitzen erlaubt - mit dann noch 324 Liter für das Gepäck.

Fahrer- und Beifahrersitz lassen sich nicht nur in der Höhe verstellen, sondern auch um 180 drehen Und alle Sitze in den hinteren Reihen lassen sich um 15 Zentimeter in der Länge verschieben und vor allen Dingen auch mit wenigen Handgriffen zusammenlegen oder ohne jedes Werkzeug herausnehmen und ebenso einfach wieder einbauen. Bei einem Gewicht von 19 Kilo für die Außensitze und 25 Kilo für den mit integriertem Gurt augestatteten Mittelsitz schafft das auch eine Person. Und da man problemlos vier zusammengeklappte Sitze auf einer Fahrzeugseite hintereinander fixieren kann, lässt sich der Laderaum auch problemlos für längeres Ladegut nutzen, ohne das man die Sitze, die man zwischendurch wieder benutzen möchte, zurücklassen muss. Baut man sie allerdings alle aus, dann wird aus dem Peugeot ein Großraumtransporter mit 2948 Liter Stauraum bei dachhoher Beladung. Zu den weiteren überzeugenden Van-Qualitäten neben dem Platzangebot und der großen Innenraumvariabilität zählen beim 807 der bequeme Zugang zum Fond und Laderaum durch die seitlichen - auf Wunsch beim Esplanade und Tendance und serienmäßig beim Platinum auch elektrisch betätigten - Schiebebtüren und die große Heckklappe und die Vielzahl großer und kleiner Ablagen, deren Summe 59 ausmacht.

Technisch sind die Modelle aller vier Marken bis auf ganz wenige Motoren identisch. Optisch unterscheiden sie sich allerdings deutlich - deutlicher, als bei der ersten Generation. Das gilt vor allem für das Äußere, das beim Peugeot 807 auf die für die aktuellen Peugeot-Modelle typischen Stilelemente setzt. Und auch innen erkennt man sofort, dass man sich in einem Peugeot befindet, obwohl hier die Ähnlichkeiten zwischen den einzelnen Marken größer sind.

Ansprechend ist das neu gestaltete Armaturenbrett mit drei mittig angeordneten Rundinstrumenten unter einem beide Seiten verbindenden Bogen, unter dem man bis zur Frontscheibe durchgreifen kann und unter dem Außenlicht nach innen dringt, so dass die Instrumente zu schweben scheinen. Die wichtigsten Warnanzeigen findet man auf einem Display oberhalb des in Höhe und Neigung verstellbaren Lenkrads. Und in der in den Innenraum ragenden Mittelkonsole findet man die Bedienung für Heizung und Lüftung und Elektronik-Ausstattung sowie den Schalthebel und ein Getränkekühlfach. Ein überzeugendes Interieur mit sehr klaren Linien und eleganten Schwüngen ohne jede Verspieltheit.

Mit zwei der insgesamt fünf Motoren, die Peugeot für den 807 anbietet

waren wir bei den ersten Probekilometern unterwegs - dem 2,2-Liter-Benziner und dem 2,2-Liter-Turbodiesel mit Direkteinspritzung. Mit einer Leistung von 116 kW (158 PS) gab sich der dank zwei Ausgleichswellen besonders laufruhige Vierventil-Benziner, der bei 3900/min sein höchstes Drehmoment von 217 Nm liefert, recht agil. Mit 11,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 196 km/h macht er den immerhin knapp 1,7 Tonnen wiegenden Van ausgesprochen flott und gibt sich mit 9,7 l/100 km zufrieden.

Viel lieber allerdings fuhren wir mit dem 2.2 HDi, dem 94 kW (128 PS) leistenden und damit größeren der direkt einspritzenden Turbodiesel mit Common Rail und Partikelfilter, der bereits bei 2000/min sein höchstes Drehmoment von 314 Nm liefert. Obwohl er mit 13,6 Sekunden für den Spurt auf Tempo 100 und maximal 182 km/h nicht ganz an die Leistungen des Benziners herankommt, erschien er uns ungemein leichtfüßig und betont flott. Mit nur 7,4 l/100 km ist dieser Motor zugleich betont sparsam und mit Erfüllen der Norm EU3 auch extrem sauber. Schon beim Vorgänger entschieden sich zwei Drittel aller Käufer für den Diesel - beim 807 dürfte diese Quote noch steigen.

Bei jedem Tempo fest im Griff

Bei flotter Landstraßenfahrt hatte auch das Fahrwerk Gelegenheit, seinen hohen Komfort auszuspielen und zu beweisen, dass man dieses Auto auch bei höherem Tempo sicher im Griff hat. Unterstützt wird man dabei im Falle eines Falles durch die Fahrdynamikregelung ESP. Sie ist bereits beim Basismodell Esplanade Serienausstattung - ebenso wie das komplette Sicherheitspaket einschließlich Windowbags für alle Sitzreihen.

Neben den Versionen mit Schaltgetriebe gibt es den 807 auch mit Automatik - beim Zweiliter-Benziner auf Wunsch und bei Dreiliter-V6 ausschließlich. Nicht geplant ist bei Peugeot eine Variante mit längerem Radstand. Wer es besonders luxuriös wünscht, bekommt das Top-Modell Platinum mit sechs komfortablen Eintzelsitzen und Lederausstattung als Pullman. Und auch die wichtigsten Preise des 807, der durchaus das Zeug hat, an die Erfolge des Vorgängers anzuknüpfen, sind inzwischen bekannt. Sie beginnen für den 807 Esplanade bei 25 250 Euro für den Zweiliter-Benziner und 27150 Euro für den Zweiliter-Diesel und reichen bis zu 36800 Euro für den 807 Platinum, das Spitzenmodell des Peugeot 807 mit Dreiliter-V6-Benziner und Automatik.

Daten auf einen Blick

Karosserie: Fünftürige Großraumlimousine.

Maße/Gewichte: 4,73 m lang, 1,85 m breit

1,75 m hoch, Radstand 2,82 m, Leergewicht 1612-1980 kg, Zuladung 555-788 kg, Kofferraum 324/830/2948 l, Tankinhalt 80 l.

Antrieb: Vierzylinder-Benziner mit 2,0 Liter und 2,2 Liter und 100 und 116 kW (136 und 158 PS), 3,0-Liter-V6 mit 150 kW (204 PS) , direkt einspritzende Turbodiesel mit Common Rail und 2,0 und 2,2 Liter mit 79 und 94 kW (107 und 128 PS) mit Partikelfilter, Fünfgang-Schaltgetriebe und Viergang-Automatik, Frontantrieb.

Fahrwerk: Einzelradaufhängung vorn mit Federbeinen, hinten mit Längslenkern, Schraubenfedern, Zahnstangenlenkung mit Servounterstützung, vorn Scheibenbremsen, ABS mit elektronischer Bremskraftverteilung, Bremsassistent, ESP.

Fahrleistungen: 11,0-14,6 s von Null auf Tempo 100, 174-205 km/h.

Verbrauch: Durchschnittlich 7,2-11,5 l/100 km.

Preise: 25250 Euro (2.0 Esplanade), 27 150 Euro (2.0 HDi Esplanade), 27 750 Euro (2,2 Tendance), 29 650 Euro (2.2 HDi Tendance), 34 200 Euro (2,2 HDi Platinum), 36 800 Euro (3,0 V6 Automatik Platinum).

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