Phänomen B-Parade : Viel Nichts statt Lärm

Endlich wieder ein Techno-Umzug im Tiergarten! Kommenden Samstag ist es soweit. Moment mal, gerade kam die Absage! Wie schon 2011. Und 2010. Und 2009. Und 2008... Chronik eines Berliner Versprechens.

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2006 sah es vor der Siegessäule so aus...
2006 sah es vor der Siegessäule so aus...Foto: dapd

Es sollten 400 000 Tänzer kommen. Vielleicht 450 000. Dazu vier Dutzend Trucks, 220 DJs und bis zu 480 Fressbuden – doppelt so viele wie auf der Fanmeile zur Fußball-EM. Die „B-Parade“ werde die größte Techno-Party seit der Loveparade, hieß es. Ja mehr noch: eine „neue, unvergleichliche Parade der elektronischen Musik mit Festivalcharakter“. Für den Abend war eine Abschlussfeier an der Siegessäule geplant, ganz so wie 2006 beim bisher letzten Techno-Umzug durch den Tiergarten. Tatsächlich wird kommenden Samstag kein einziger Truck rollen. Die Party ist abgesagt.

Dabei war die B-Parade erst im März auf einer Pressekonferenz angekündigt worden. Das B stand für Berlin, einen flotten Spruch gab es auch: „Be a part. Be creative. Be music.“ Die Finanzierung sei gesichert, hieß es . 2,2 Millionen Euro fest eingeplant. Für die Absage gab es keine Pressekonferenz. Bloß eine kurze Nachricht im Internet. Die Party finde definitiv nicht statt, steht dort geschrieben, und weiter: „Die Gerüchteküche brodelt... Es ist ein offenes Geheimnis, dass die B-Parade mit Problemen zu kämpfen hat.“

Klingt dubios. Vor allem für jeden, der sich noch daran erinnert, dass die B-Parade eigentlich bereits im letzten Jahr stattfinden sollte und damals ebenfalls abgesagt wurde. Genau wie im Jahr zuvor. Und in dem davor. Was sind das wohl für Leute, die Berlin jeden Sommer einen gewaltigen Techno-Umzug versprechen und dann aber keine Party zustande bringen, sondern nur eine kleinlaute Absage?

Auf der Internetseite der B-Parade finden sich zwei Telefonnummern. Angeblich gehören sie zu einem Büro in Charlottenburg. Keine der Nummern funktioniert, die Bandansage erklärt, die Anschlüsse seien vorübergehend nicht erreichbar. Auf der Internetseite steht auch, dass die Finanzierung der Parade durch eine DD Dajana GmbH sichergestellt sei. Deren Geschäftsführerin heiße Dajana Graf. Wer den Namen googelt, stellt fest, dass eine Dajana Graf vergangenes Jahr an der Berliner Bodybuilding-Meisterschaft teilnahm und es dort in der Bikini-Klasse auf den zweiten Platz schaffte. Über Erfahrung mit Musikveranstaltungen steht dort nichts.

Vielleicht weiß Dr. Motte Bescheid. Berlins Techno-Veteran, Gründer der Loveparade und in der Szene bekannt für klare Ansagen und undiplomatische Wortwahl. Sein Büro liegt in Prenzlauer Berg, die Sekretärin stellt gerne durch. Tut mir leid, sagt Dr. Motte. Er wisse gar nicht, was diese B-Parade überhaupt sein solle und ob sie jemals stattfinden werde. Das Ganze scheine ihm nicht allzu seriös. „Ich sage mal: Finger weg, Finger weg, Finger weg! Vor allem bei so einer Vergangenheit.“

Die Vergangenheit der B-Parade, das ist im Wesentlichen eine lange Abfolge von Party-Ankündigungen und Party-Absagen, die im Rückblick so bizarr klingt, dass man sie vielleicht einmal chronologisch auflisten muss, um den vollen Umfang des Wahnsinns zu begreifen.

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