Zeitung Heute : Plastikschale mit iMac

KLAUS ANGERMANN

Ungewöhnliche Dinge verlangen eine ungewöhnliche Präsentation.So wurde der laut Presseankündigung "aufsehenerregendste Macintosh seit Einführung des Originals", kurz iMac genannt, unter anderem auf einer Mitternachtsvorstellung der Firma HSD Consult GmbH dem neugierigen Publikum vorgeführt.Um sich ein besseres Bild von diesem Rechner machen zu können, stellte HSD dem Tagesspiegel einen iMac zum Testen zur Verfügung.Eine Woche blieb Zeit, dem "Computer-Ei" auf den Zahn zu fühlen.

Neben dem Design setzten die Macher vor allem auf die einfache Bedienbarkeit des Rechners.In amerikanischen Fernseh-Clips konnte man einen kleinen Jungen sehen, der den iMac in der Rekordzeit von vier Minuten und 45 Sekunden zum Laufen bringt.Die Interaktiv-Redaktion brauchte etwa fünf Minuten, bis das System hochgefahren werden konnte.

Optisch ist der iMac ohne Zweifel ein Hingucker.Egal, ob er Begeisterung oder Ablehnung auslöst: Er findet Beachtung.Auch in der Redaktion sorgt der iMac für erhöhte Aufmerksamkeit.Dabei wird er schon mal mit der neuen A-Klasse verglichen; Kollegen wollen wissen, was daß für ein Gerät sei und setzen sich spontan davor.Der iMac ist eine Mischung aus etwas altbackenen Elementen wie dem Streifendesign auf dem grau-durchsichtigen Plastik und High-Tech auf dem neuesten technischen Stand.Die komplette Hardware ist in dem Monitorgehäuse versteckt.Sieht man genauer hin, gibt es jedoch einige Details zum Monieren.So fällt es schwer, sich an das klapprige CD-ROM-Laufwerk zu gewöhnen, dem man keine große Lebensspanne zutraut.Die Tastatur ist zwar kompakt, dafür sind hilfreiche Tasten dem Sparkonzept zum Opfer gefallen.Der deutlich hörbare Lüfter im Computerinnern fällt ebenfalls negativ auf.

Neben Schönheitsfehlern entdeckt man aber auch viele liebevolle Details wie die farbliche Abstimmung aller Geräte inklusive der Kabel.Das Design stimmt, arbeitet der Computer aber auch zuverlässig? Als erster Test wurde natürlich ein Spiel ausprobiert.Der iMac kann mit seinen integrierten Lautsprechern richtig laut werden, der 15-Zoll-Monitor und die Grafikdarstellung sind ebenfalls in Ordnung.Spiele laufen flüssig, das 24fache CD-ROM-Laufwerk genügt vollauf.Etwas schwieriger wird es mit Bildbearbeitung.Die mitgelieferten 32 MB Arbeitsspeicher stoßen da bei eingescannten Urlaubsbildern schnell an ihre Grenzen, aber für die übrigen Anwendungen wie Textverarbeitung und Surfen im WWW reicht es allemal.

Das i vor dem iMac steht für Internet, daher ist in seinem Innern bereits ein 56K-Modem eingebaut.Die Konfiguration des Wandlers gestaltete sich komplizierter als gedacht.Schon bei den Einstellung der E-Mail-Adresse muß sich der Windows-Benutzer geschlagen geben.Auf der Tastatur findet sich kein "at"-Zeichen, auch liebevoll "Klammeraffe" genannt.Auch lief das Modem zuerst nicht richtig.Erst einige Telefonate mit dem Provider und Mac-Fachleuten führten auf den richtigen Weg und somit ins Internet.Da hatte die Werbung einen einfacheren Weg versprochen.

Hat man sich an die Umstellung von Microsoft zu Macintosh erst einmal gewöhnt, läuft alles viel besser.Das Betriebssystem Mac OS 8.1 glänzt wie seine Vorgänger mit einer objektorientierten Bedienung.Trotzdem kann man den Rechner auch zum Absturz bringen.Wer dann nicht weiß, daß hinter der Gehäuseklappe ein kleiner Reset-Knopf zum Neustarten sitzt, muß unter den Tisch krabbeln und den Stecker herausziehen.

Nicht nur der versteckte Schalter gibt Anlaß zum Stirnrunzeln.So sucht man ein Disketten-Laufwerk vergebens.Ein Laufwerk für Disketten mit bis zu 120 MB Speicher, das über die USB-Schnittstelle anschließbar ist, soll bald zur Verfügung stehen.Die Einführung auf dem deutschen Markt könnte sich aber noch bis zum Winter hinziehen.Ein klarer Minuspunkt, den auch Gerrit Naber von Pandasoft bestätigt.Einige mögliche Kunden würden trotz Kaufinteresses vorerst noch abwarten, bis genügend USB-Geräte für den iMac erhältlich seien.Wer nach weiteren Zubehörteilen sucht, wird aber bereits jetzt schon fündig.Erhältlich sind vor allem Drucker und Scanner, Geräte wie Joysticks oder Kameras sollen bald folgen.

Der iMac kann alles, was ein moderner Multimedia-Computer können muß: Er ist nirgendwo auffallend gut oder schlecht, eben ein funktionierender Rechner für alle Fälle, der nebenbei noch gut aussieht.Seine großen Stärken liegen in der einfachen Handhabung.Die Redaktions-Leihgabe ist mittlerweile wieder abgeholt.Trotz der kurzen Woche hat man sich doch an diesen urigen Rechner gewöhnt; Irgendwie wird er uns fehlen ...

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