Zeitung Heute : Poesie! Rätsel!

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Auf der Kippe: Matl Findels Berlin-Film "Alle Zeit der Welt"lpAnton (Jockel Tschiersch) bleibt kaum noch Zeit.In seinem Kopf wächst ein Tumor heran, der ihn schon besiegt hat.Ein halbes Jahr wird sein Leben noch dauern, vielleicht.Er beschließt, die Tage nicht mehr zu zählen, kümmert sich nicht mehr um seine Karriere als Eishockeyspieler, nicht mehr um die kaputte Waschmaschine, läßt sein Leben kippen.Anton stromert durch Herbst-Berlin, und je stärker er seinen Schritt verlangsamt, desto intensiver lebt er. "Alle Zeit der Welt" ist der erste Spielfilm von Matl Findel.Er kam mit Unterstützung des ZDF zustande, und die Mainzer haben ihn im vergangenen Monat schon brav ins Spätprogramm eingespeist.Obwohl mit den bescheidenen Mitteln eines Fernsehspiels inszeniert, hatte sich Findel viel vorgenommen.Er wollte schwermütiges Schweben auf die Leinwand bringen, dazu noch die Verschiebung zeigen, die Momente aus den Tiefen unseres Alltags hervorhebt.Doch zu groß ist das Ausrufungszeichen, das hinter jeder seiner Geschichten steht.Anton trifft eine Engländerin auf der Durchreise, die den Liebesgesang der mongolischen Braunbären hören möchte (Rätsel! Poesie!), eine holländische Künstlerin, die aus Herbstlaub und Eis Skulpturen der Vergänglichkeit formt (Poesie! Rätsel!), einen Hund, der sich in jedem Jahr beim ersten Schnee auf das Straßenpflaster legt und die Augen schließt (Posel! Rätesie!). Die Hauptfiguren philosophieren arg viel - immerhin die Kleinstdarsteller sorgen, indem sie ihre Texte liebevoll unbeholfen aufsagen, für ein bißchen Bodenhaftung. im fsk-Kino

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