Zeitung Heute : Polen mögen Kurztripps nach Berlin

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Kulinarische Verheißungen locken Besucher zur Adventszeit auf die Berliner Märkte. Foto: Thilo Rückeis
Kulinarische Verheißungen locken Besucher zur Adventszeit auf die Berliner Märkte. Foto: Thilo Rückeis

Alljährlich, kurz vor dem ersten Adventssonntag, riecht Berlin plötzlich anders. Jedenfalls in einigen Kiezen. Auf den Weihnachtsmärkten duftet es nach frisch gebrannten Mandeln und Glühwein. Millionen von Besuchern reisen deshalb zur Weihnachtszeit an. Vor allem die Nachbarn aus Polen unternehmen in der Adventszeit gerne – und immer häufiger – einen Ausflug nach Berlin.

„Berlin ist insbesondere für die Westpolen ein Magnet, auch weil sie es in die deutsche Metropole näher haben als nach Warschau“, sagt Angelika Menze aus dem deutsch-polnischen Büro in Posen, dem Partnerschaftsbeauftragten für regionale Kooperation zwischen Brandenburg und Großpolen. Zwar würden seit einigen Jahren vermehrt auch polnische Großstädte eigene Weihnachtsmärkte organisieren, doch sie gelten eher als scheue Versuche im Vergleich zu der deutschen Tradition. „Man möchte dann lieber das Original haben“, so Menze. Die Dimension und die bunte, chaotische Atmosphäre der Berliner Weihnachtsmärkte in Verbindung mit dem kulturellen Angebot und Shopping-Möglichkeiten in der Stadt seien die hauptsächlichen Anziehungspunkte für die mobile, kaufkräftige und kulturell interessierte Mittelschicht aus Polen.

Ausflüge ins winterliche Berlin gehören außerdem zum fest etablierten Angebot der polnischen Reisebüros, so zum Beispiel des Ecotravel in Krakau. „Unsere Kontraktpartner veranstalten solche vorweihnachtlichen Reisen nach Berlin seit etwa vier Jahren. Auch in diesem Jahr sind die meisten Plätze bereits ausgebucht“, sagt Edyta Karpala-Podsiadlo (Ecotravel). Diesen Trend bestätigt auch Christian Tänzler von Berlin Tourismus & Kongress GmbH. Jedes Jahr würden immer mehr polnische Touristen nach Berlin kommen. „Im Hinblick auf die Wachstumsraten liegt Polen an der Spitze“, sagt Tänzler. Allein im September habe man 16 Prozent mehr Ankünfte verzeichnet als im Vorjahr.

Die für den 30. November angekündigte feierliche Eröffnung des letzten Abschnitts der Autobahn A2, der die Fahrzeit aus Posen nach Berlin auf zwei Stunden reduziert, wird sicherlich einen weiteren Schub an Besuchern aus Polen in die Hauptstadt bringen.

Aleksandra Lebedowicz

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