Zeitung Heute : Politikchef der FAZ unterliegt im Richtungsstreit

Ulrike Simon

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" hat Eckhard Fuhr, Chef des Ressorts Innenpolitik verloren. "In dieser personellen Konstellation sah ich für mich kein Weiterkommen mehr" kommentiert der 45-Jährige seinen Ausstieg bei der Frankfurter Zentrale. Seit 14 Jahren bei der FAZ, leitete Fuhr seit drei Jahren das Ressort Innenpolitik. Seit Beginn der CDU-Spendenaffäre überraschte Fuhr durch Kommentare, die bis dahin so gar nicht typisch waren für die konservative Zeitung. Das gesamte Meinungsspektrum fand sich nun in der FAZ wieder: Sowohl jene überzeugter "Kohlianer", die bei keiner Gelegenheit die viel zitierten historischen Verdienste des Altkanzlers um die deutsche Einheit zu betonen vergessen. Und auch jene eines Eckhard Fuhr, der die Rechtsstaatlichkeit über Parteilichkeit stellte. Seine Kommentare waren nicht nur kohl-kritisch, bisweilen neigten sie gar zur Polemik.

Dem Hobby-Jäger Fuhr, den das Magazin "Spiegel Reporter" in der Dezember-Ausgabe mit den Worten zitierte "Ich habe keine Mission, keine Loyalitäten", wurde seine Meinung zum Verhängnis. Den Machtkampf mit Georg Paul Hefty und Volker Zastrow, verantwortlich für "Zeitgeschehen", verlässt er als Verlierer. Mit beiden hatte er sich in den letzten Monaten fast täglich darum gestritten, wer zur Feder greifen soll.

Der Streit ist beendet. Gestern und heute wird Fuhr seinen Umzug von Frankfurt nach Berlin-Mitte hinter sich bringen. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird Fuhr zwar Chef des Ressorts Innenpolitik bleiben. Künftig wird er sich jedoch aus der aktuellen Berichterstattung heraus ziehen und als Berlin-Korrespondent der FAZ Kommentare, auch Leitartikel, vor allem aber Analysen und Essays schreiben. Darüber hinaus wird sich Fuhr vornehmlich um die TV-Aktivitäten des FAZ-Verlages kümmern und die Kooperation mit dem neuen Nachrichtensender N 24 anschieben. Außerdem wird er künftig dauerhaft an der N 24-Sendung "Politisches Quartett" teilnehmen. Seit Beginn des Jahres will die FAZ mit 25,1 Prozent der Anteile in den Gesellschafterkreis des Kirch-Senders einsteigen.

Wer Fuhrs Posten als Ressortleiter Innenpolitik übernehmen könnte bzw. ob bereits Gespräche mit Kandidaten geführt würden, will FAZ-Herausgeber Berthold Kohler ebenso wenig verraten wie die Gründe für Fuhrs Wechsel. Wie immer heißt es bei dem Traditionsblatt: "Personalentscheidungen kommentieren wir nicht."

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