POPMarc Almond : Feuerfester Paradiesvogel

Jörg W,er

Es kann Fluch oder Segen sein, wenn einem Musiker zu Beginn seiner Laufbahn der alles überstrahlende Hit gelingt. Fluch, wenn die ausbleibende Wiederholung die weitere Karriere mit dem Stigma des „One-Hit-Wonders“ überschattet. Oder Segen, weil er den Betreffenden im Idealfall für den Rest des Lebens vom Hemmschuh kommerzieller Erwartungshaltungen befreit.

Auf Marc Almond trifft wohl Letzteres zu: 1981 wurde die dritte Single des New-Wave-Duos Soft Cell zum Welterfolg: „Tainted Love“, Coverversion eines kleinen Soul-Hits aus den Sechzigern, schaffte es mit seinem charakteristischen Synthie-Gehupe und Almonds leidenschaftlichem Gesang in 18 Ländern an die Spitze der Hitparaden und brannte sich ins Gedächtnis einer Generation ein. Soft Cell erklommen niemals wieder solche Höhen, nahmen aber noch ein paar tolle Platten mit homoerotischem SM-Pop auf. Während sein Partner Dave Ball nach dem Split 1984 in der Versenkung verschwand, drehte Marc Almond richtig auf: Mit Marc & The Mambas brachte er zwei wunderbar überkandidelte Operetten-Pop-Alben heraus und startete eine Solokarriere, die ihn noch einmal mit „Something’s gotten hold of my Heart“ ganz nach oben brachte. Nicht nur in Schwulenkreisen wird der kleine Paradiesvogel kultisch verehrt, woran weder durchschnittliche Platten, ein vergeigtes Soft-Cell-Comeback oder seine mutmaßliche Mitgliedschaft in der „Church of Satan“ etwas ändern konnten. Und nachdem er vor einigen Jahren sogar dem Sensenmann bei einem schlimmen Motorradunfall ein Schnippchen schlug, dürfte dem 52-Jährigen wohl kein irdisches Ungemach mehr Sorgen bereiten. Jörg Wunder

Passionskirche, Do/Fr 12./13.3., 20 Uhr, 35 € + VVK

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