Porträt Finanzminister Yanis Varoufakis : Politiker wider Willen

Griechenlands neuer Finanzminister Yanis Varoufakis ist bisher vor allem mit deutlichen Ansagen gegenüber den EU-Partnern aufgefallen. Welche Ziele verfolgt er?

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Yanis Varoufakis.
Yanis Varoufakis.Foto: dpa

Yanis Varoufakis pflegt das Bild des Anti-Politikers. Auch diesmal tritt er ohne Krawatte auf, sein blaues Hemd trägt er locker über der Hose. Über seine Glatze, die Lederjacke und sein Motorrad wurde schon viel geschrieben. Der neue griechische Finanzminister wirkt auf viele Beobachter unnahbar, provozierend, bisweilen auch arrogant – auf jeden Fall ungewöhnlich. Das müsste ihm gefallen. Seine größte Angst, das hat Varoufakis selbst gesagt, sei es, „ein Politiker zu werden“. Um sich dagegen abzusichern, hat er angeblich immer einen Rücktrittsbrief in der Tasche. Er will ihn einreichen, falls er nicht mehr „die Wahrheit gegenüber der Macht“ ausspricht. Auch am Donnerstag hat er das, was sein Linksbündnis Syriza und er für die Wahrheit halten, gegenüber dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble deutlich ausgesprochen.

Varoufakis’ Wahrheiten nachzulesen, war bisher ziemlich leicht. Der Ökonomieprofessor, der bisher an der Universität Athen gelehrt und zuvor viele Jahre in Australien gelebt hat, bloggt seit 2008 regelmäßig unter yanisvaroufakis.eu. Über die EU-Krise, griechische Politik, die globale Lage. Dabei kritisierte er das Troika-Regime von Beginn an scharf, bezeichnete die Bankenrettung als moderne „Kleptokratie“ – und das in Englisch. Für englischsprachige TV-Sender wurde er so zu einem der beliebtesten Gesprächspartner zur griechischen Krise. Als ihm der heutige Regierungschef Alexis Tsipras eine Parlamentskandidatur und eine Rolle in den Verhandlungen mit Berlin, Brüssel und Frankfurt anbot, habe er nicht ablehnen können, schreibt Varoufakis. Er wolle auch als Finanzminister weiterbloggen. Er werde sich wohl seltener und kürzer zu Wort melden, dafür aber hoffentlich mit „tieferen Einblicken.“

So ganz kann sich Varoufakis wohl noch nicht damit abfinden, die Rollen gewechselt zu haben. Gerade beim Kurznachrichtendienst Twitter kommentiert er häufig Artikel, die sich mit ihm und seinen Vorschlägen beschäftigen. „Gut zu wissen“, witzelte er über einen Artikel mit der Überschrift: „Athens neuer Finanzminister ist kein Extremist“. Häufig versucht er auch, Zitate zu korrigieren, die seiner Meinung nach falsch ausgelegt wurden. Bei Twitter-Nutzern kommt das gut an, die Tweets werden tausende Male weiterverbreitet. In Berlin entwischt ihm allerdings dann doch die ein oder andere Politikerfloskel.

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