PRÄSIDENTENWAHL IN DER UKRAINE : „Es gibt kein Zurück“

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Foto: privat

Sie haben beide Wahlgänge in Kiew beobachtet. Genügten die demokratischen Standards?

Es gab in beiden Runden Manipulationsversuche. Auch dass das Wahlrecht mitten zwischen den beiden Wahlgängen geändert wurde, ist nicht unproblematisch. Insgesamt war es aber eine freie und demokratische Wahl.

Ist die Orangene Revolution zu Ende?

Wahlsieger Viktor Janukowitsch wird nicht zu alten Zeiten zurückkehren. Dazu hängt er viel zu sehr von den starken Oligarchen im Osten des Landes ab, und die haben mittlerweile ein eigenes ukrainisches Selbstbewusstsein. Auch am Medienpluralismus im Land wird er nichts ändern können. Viele erwarten jetzt von ihm, dass er die dringenden Strukturreformen anpackt, die in den Zeiten der Lähmung der Revolutionäre nicht angefasst wurden.

Rückt das Land jetzt stärker nach Russland?

Da bin ich mir gar nicht so sicher. Janukowitsch hat im europafreundlichen Westen des Landes viele Wähler mit seinem Versprechen hinzugewonnen, die Ukraine langfristig näher an die EU zu binden. Die will und kann er jetzt nicht einfach verprellen.

Wahlverliererin Julia Timoschenko will das Ergebnis wohl anfechten.

Sie muss die politischen Realitäten zur Kenntnis nehmen. Eine Massenmobilisierung wie im Revolutionsjahr 2004 halte ich für ausgeschlossen; auch vor Gericht wird sie kaum Erfolg haben, sieht man vielleicht von der problematischen Wahlrechtsänderung ab.

Wolfgang Templin (61) ist Ex-DDR-Bürgerrechtler und Publizist. Zurzeit lebt er

in Kiew.

Die Fragen stellte

Sebastian Bickerich.

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