Präsidentenwahl : Linken-Front gegen Gauck wackelt

von und Carsten Werner

Berlin - In der Linkspartei mehren sich Stimmen, die sich gegen einen eigenen Kandidaten für die Wahl zum Bundespräsidenten aussprechen. Gleichzeitig rückte der Fraktionschef der Linkspartei im Thüringer Landtag, Bodo Ramelow, von der bisherigen Parteilinie ab, wonach der Kandidat von SPD und Grünen, Joachim Gauck, für die Linkspartei nicht wählbar ist: „Wenn Herr Wulff in den beiden ersten Wahlgängen keine Mehrheit bekommt, behalte ich mir vor, was ich im dritten Wahlgang mache“, sagte Ramelow dem Tagesspiegel. Bei aller berechtigten Kritik gelte: „Wenn Herr Gauck den Willen hätte, mit uns ernsthaft zu reden, dann müssten wir uns dem Gespräch stellen.“

Der sächsische FDP-Chef Holger Zastrow sagte, es gebe nicht zuletzt wegen der großen Anerkennung für den DDR- Bürgerrechtler Gauck keinen Freibrief für den Kandidaten der schwarz-gelben Koalition, Niedersachsens Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). Sogar aus der Union gab es Sympathiebekundungen für Gauck.

Gauck selbst reagierte angesichts des positiven Echos auf seine Nominierung in den Medien und bei Politikern aller Parteien überrascht: „Jetzt kommt etwas über mich, das ich noch gar nicht richtig glauben kann. Ich bin total verwirrt, aber auch glücklich“, sagte er im ZDF. Er warnte vor einem Parteigeschacher um das höchste Staatsamt und wolle, unabhängig von seiner Funktion, versuchen, „die Sprachstörungen ein bisschen zu beheben“, die eine Kluft zwischen Regierenden und Regierten schafften: „Ich habe das Gefühl, dass wir im Moment in einer kritischen Phase in unserer Gesellschaft sind.“ uls/cwe

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