Zeitung Heute : Praxistraining direkt am Computer

Mit einem neuen Weiterbildungskonzept können angehende Computerspezialisten sich unter realen Arbeitsbedingungen für verschiedene Profile wie den Multimedia-Entwickler ausbilden lassen

Anke Sprenger

Astrid Lohmeyer, 32 Jahre alt und ausgebildete Systemkauffrau für Informationstechnologie (IT), sieht ihrer beruflichen Zukunft in der Computerbranche zuversichtlich entgegen: Nach ihrer Ausbildung und mehrjähriger beruflicher Tätigkeit absolviert sie gerade eine berufsbegleitende Weiterbildung zur IT-Spezialistin und hat sich aus 29 Spezialistenprofilen das der Multimedia Entwicklerin (Multimedia Developer) ausgesucht.

„Ich habe eine Alternative zum Studium gesucht, um meine beruflichen Chancen zu verbessern und Karriere in der IT-Branche zu machen,“ erzählt die Computer-Fachfrau. „Durch ein Beratungsgespräch bei der Arbeitsagentur bin ich dann auf das Projekt APO-IT aufmerksam geworden.“ Das Konzept der Arbeitsprozessorientierten Weiterbildung (APO) steht für eine neue Form des beruflichen Lernens: Grundidee ist eine enge Verbindung von Lernen und Arbeiten. Denn gelernt wird unter realen Arbeitsbedingungen direkt am Arbeitsplatz. Die täglichen Arbeitsprozesse sind also fester Bestandteil der Weiterbildung.

Der Weiterbildungsanbieter Baumann Bildung und Qualifizierung (BBQ) bietet 18-monatige Fortbildungen zum Erwerb von Zertifikaten der IT-Branche nach dem APO-Konzept an. „Teilnehmer der arbeitsprozessorientierten Weiterbildung erreichen bei uns international gültige, staatlich anerkannte Abschlüsse. Wir bilden die am meisten nachgefragten Profile aus“, sagt BBQ-Geschäftsführer Harald Baumann. Die begehrtesten Profile heißen: Software Developer (Softwareentwickler), Database Developer (Datenbankentwickler) und IT Systems Administrator (IT-Systemadministrator).

Ein persönlicher so genannter Lernprozessbegleiter kommt regelmäßig ins Unternehmen, motiviert und hinterfragt die Arbeit. Individueller kann Weiterbildung kaum sein. Weitere Vorteile: Der Teilnehmer kann weiterhin seiner gewohnten Arbeit nachgehen und es entsteht wenig Arbeitsausfall trotz intensiver Weiterbildung. Entwickelt wurde das APO-Konzept im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. „Im Zentrum dieser Qualifizierung steht die Entwicklung der beruflichen Handlungskompetenz als Einheit aus Fach-, Methoden und Sozialkompetenz“, erklärt Baumann. Der Geschäftsführer erläutert das APO-Bildungskonzept von BBQ: „Der Teilnehmer lernt in einem realen Projekt an einem Arbeitsplatz – also mitten im laufenden Betrieb – und anhand eines konkret verwertbaren Arbeitsauftrags. Parallel dazu dokumentiert er die Durchführung seines Projekts nach genauen Anforderungen.“

BBQ bietet diese Konzepte auch für Umschüler an: „Gerade für diejenigen, die bisher keine Berufserfahrung im IT- Bereich nachweisen können, eignen sich unsere Weiterbildungen. Ein Eingangstest über bisher erworbene autodidaktische IT-Kenntnisse muss allerdings absolviert werden“, erklärt Baumann. Bei Erstauszubildenden und Quereinsteigern, zum Beispiel nach einem Ausbildungs- oder Studienabbruch, ist für solch eine Ausbildung allerdings die bisherige IT-Berufserfahrung wichtig. „Über eine mögliche Teilnahme an den Fortbildungen müssen wir dann von Fall zu Fall entscheiden.“

Unterstützung bekommt der Teilnehmer von APO-IT bei BBQ während der gesamten Projektlaufzeit von einem fachlichen Berater, zum Beispiel einem erfahrenen Kollegen, und dem Lernprozessbegleiter. Dieser klärt mit dem Teilnehmer seine Wissensbasis und bespricht mit ihm Probleme und Fragen. Zusammen werten sie die Entwicklung des Projekts kritisch aus. „Diese Gespräche sind ein wesentlicher Bestandteil von APO- IT“, sagt Baumann.

18 Monate nach Ausbildungsbeginn absolviert der Teilnehmer dann die Abschlussprüfung bei der Personalzertifizierungsstelle „cert it“ – durch Vorlage der Dokumentation, einer Präsentation und einem Fachgespräch. „Im theoretischen Teil bei BBQ werden auch übergreifende Kompetenzen wie wirtschaftliches Handeln, Problemlösungsstrategien, Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist, sowie Fachenglisch vermittelt, sodass unsere Teilnehmer mit den besten Voraussetzungen in ihre berufliche Zukunft starten“, ergänzt Baumann.

Von diesen Personalzertifizierungen werden im Übrigen die IT- Herstellerzertifikate unterschieden, zum Beispiel von Microsoft, Linux, Oracle, Cisco und Sun. „Auch diese Art der Zertifizierung ist sehr sinnvoll“, sagt Baumann, "denn gute Kenntnisse in diesem Bereich sind momentan sehr gefragt. Deshalb bieten wir auch solche Fortbildungen mit anschließenden Prüfungen an.“

Die angehende Multimedia Entwicklerin Astrid Lohmeyer freut sich darüber, dass sie ihren Arbeitsplatz während der Weiterbildung nicht verlassen muss: „So werde ich nicht aus meinem Job herausgerissen, denn meine täglichen Aufgaben sind feste Bestandteile meiner Weiterbildung.“ Nur der inhaltliche Schwerpunkt der Projektarbeit wird neu definiert. So wird sie sich Schritt für Schritt in das anvisierte Spezialistenprofil Multimedia Entwicklerin einarbeiten.

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