Zeitung Heute : Preiskrieg

WILFRED LINDO

Schon seit Jahren ist der PC-Markt, besonders in Deutschland, heiß umkämpft.Bei fallenden Preisen und ständig wachsender Leistungsfähigkeit kämpft die Branche um die schwindenden Margen mit harten Bandagen.Ein neues Kapitel läutete ALDI mit einem bundesweiten Kampfangebot ein.Der Food-Discounter unterbot erstmals die magische Preisgrenze von 2 000 Mark für einen leistungsstarken PC.Angesichts der hohen Wachstumsraten bei dem Geschäft mit Niedrigpreis-PCs, reagierten einige Anbieter nervös mit Dumpingangeboten.Was ALDI begonnen hat, setzen nun die großen PC-Anbieter fort.Ob sie wollen oder nicht.

Entsprechend fordert der Preiskrieg die ersten Verluste.Längst sind selbst namhafte Anbieter auf der Strecke geblieben.Noch drastischer sieht es für kleinere Anbieter aus.Bei immer kleiner werdenden Margen ist die Branche auf der Suche nach Lösungen.Am Einstiegs-PC verdient der Handel kaum etwas.Das Nachfolgegeschäft rückt in den Mittelpunkt.So plazieren die großen Handelsketten ihre kostengünstigen Einstiegsmodelle im Markt, mit der Hoffnung das eigentliche Geschäft mit Zubehör, Aufrüstungen und Peripherie zu machen.Plötzlich entdeckt man wieder den Service am Kunden.Selbst bekannte Discounter bekennen sich dazu.Doch bei aller Euphorie, Service avanciert zu einem knallharten Geschäft.Längst ist das zusätzliche Angebot nicht kostenlos.Wer Probleme mit seinem Rechner hat, muß zur kostenpflichtiger Hotline greifen.

Die Branche lebt von den permanenten Innovationsschüben und ist zwingend darauf angewiesen, daß sowohl Software als auch Hardware schnell dem Anwender die Grenzen des eigenen Systems aufzeigen.Folglich ist das Geschäft mit dem PC von der Geschwindigkeit geprägt.Wer in kürzester Zeit seine Lager schnell räumt, ist der Etappensieger.Bei allen strategischen Überlegungen, hat doch die Branche die Rechnung ohne den Käufer gemacht.Schon tritt bei vielen Anwendern eine Sättigung ein.Die Faszination PC schwindet.Längst folgen die Technik-Jünger nicht mehr blind jeder hochgepriesenen Innovation am Computerhimmel.Auch auf der Software-Seite lassen die umsatzstarken Zugpferde auf sich warten.Konnte in den letzten Jahren Microsoft mit der jeweils aktuellen Version von Windows einen wahren Run auf neue Hardware auslösen, so scheint Windows 98, zur Trauer der Hardware-Branche, diese Rolle nicht übernehmen zu können.Einzig allein aktuelle Spieletitel können noch Akzente bei den High-Endern setzen.

Sowohl Billig-Anbieter als auch die großen Markenhersteller gehen zunehmend zu einer auftragsbezogenen Fertigung über.Der Rechner wird erst nach Wunsch des Kunden zusammengestellt und konfiguriert.Größere Lager sind überflüssig.Das gebundene Kapital ist minimal.Die Gefahr von Ladenhütern wird drastisch verringert.Doch auch hier zahlt der Käufer die Zeche.Denn nicht selten ist die bedarfsorientierte Fertigung von Rechnern mit Wartezeiten verbunden.Besonders bei stärkerer Nachfrage muß sich der Käufer auf mehrere Tage Warten einstellen.Zudem bleibt dem Anbieter kaum noch Zeit, um das jeweilige Gerät auf Herz und Nieren zu testen.Der Käufer wird zum Tester des eigenen PCs.Fazit: Die Dummen sind die Käufer und der kleine Händler von nebenan.

Der Autor ist Unternehmensberater in Berlin und hat sich auf den Multimedia-Sektor spezialisiert.

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