Zeitung Heute : Preiswürdiger Nachwuchs Zum zehnjährigen Jubiläum begrüßt

die Scheringpreis-Familie einen Neuankömmling.

Paul Janositz
Foto: privat
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In welcher Disziplin Wei Jiang promoviert hat, ist leicht zu erraten, denn er hat 2010 den Schering Preis erhalten. Diese mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung wird jährlich vergeben und zwar für die beste Promotion im Fach Chemie an einer der drei Berliner Universitäten. „Als wahrlich einzigartigen Preis“ bezeichnet Wei Jiang die Lorbeeren für seine Doktorarbeit, die er im Team von Professor Christoph Schalley an der Freien Universität Berlin angefertigt hat. Es ging um die „Selbstorganisation von Supramolekülen“. Versteht man die Prinzipien, nach denen solche natürlichen Aggregate funktionieren, lassen sich damit molekulare Maschinen oder intelligente Werkstoffe erzeugen.

Heute arbeitet Wei Jiang als Postdoc am renommierten Scripps Forschungsinstitut im kalifornischen San Diego. Er strebt eine wissenschaftliche Karriere an. Der Schering Preis sei eine große Ermutigung und werde ihm bei der späteren Jobsuche sicherlich nützlich sein, sagt der Chemiker.

Wenn der Schering Preis gewissermaßen der kleine Bruder der renommiertesten Auszeichnung der Schering Stiftung, des Ernst Schering Preises ist, dann hat er mit dem Avrion Mitchison Preis, mit Preisgeld in Höhe von 2500 Euro, ein Geschwisterchen. Benannt ist die Auszeichnung nach dem britischen Immunologen Avrion Mitchison, einem der Initiatoren und späteren Direktoren des Deutschen Rheumaforschungszentrums Berlin. Dieses vergibt den Preis jährlich für die beste Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Rheumatologie an Wissenschaftler aus dem deutschsprachigen Raum, die jünger als 35 Jahre alt sind.

Ambitionierte Nachwuchsforscher, die nur knapp an dieser Altersschranke scheitern, können auf einen neu gestifteten Preis hoffen. Benannt ist er nach dem Berliner Veterinärmediziner Friedmund Neumann. Der 2007 verstorbene Steroidforscher hat jahrzehntelang in den Schering-Labors gearbeitet. Anlässlich ihres zehnjährigen Jubiläums vergibt die Schering Stiftung nun erstmalig den mit 10000 Euro dotierten Friedmund Neumann Preis. Damit sollen dessen bahnbrechende Untersuchungen zu modernen Gestagenen, den weiblichen Geschlechtshormonen, sowie das Engagement zur Förderung des Nachwuchses gewürdigt werden. In Frage kommen bis zu 38 Jahre alte promovierte Wissenschaftler, die an einem deutschen Standort Herausragendes in biologischer, chemischer oder medizinischer Grundlagenforschung geleistet haben.

Die Resonanz auf den neu gestifteten Preis habe sie überrascht, sagt Sonja Kießling, Stiftungsvorstand für Wissenschaft. Es kamen bedeutend mehr Bewerbungen als erwartet. So wird sich die Jury den Kopf darüber zerbrechen müssen, wer am 10. September 2012 in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften neben Matthias Mann auf die Bühne gebeten wird. Der Proteinforscher vom Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München wird den Ernst Schering Preis, den mit 50000 Euro dotierten Hauptpreis der Stiftung erhalten. „Die Verleihung des Friedmund Neumann Preises im großen Rahmen soll die Bedeutung hervorheben, die die Schering Stiftung der Nachwuchsförderung beimisst.“, sagt Kießling. Paul Janositz

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