Zeitung Heute : Preußen-Fahrlehrer

Der Tagesspiegel

Werner, Sieglinde, Matthias und Andreas haben zwei Dinge gemeinsam: den Nachnamen Preuß und die Fahrschule, in der sie arbeiten – „Die Preußen“. Zu dem Unternehmen mit Filialen im Berliner Nordosten gehören ferner zwei Fahrlehrer, die nicht Preuß heißen sowie mehrere Autos, die nicht preußisch-blau lackiert sind und deshalb an dieser Stelle nicht weiter interessieren.

Matthias Preuß war einmal Berlins jüngster Fahrlehrer. Jetzt ist er 30 und Juniorchef und würde nicht sagen, dass die Ausbildung bei ihm, seinem Bruder oder den Eltern preußisch ist, „weil das nach Drill klingt.“ Einerseits. Andererseits ist sie doch preußisch, weil korrekt – und weil die Preußen ihre Schüler lieber drei Stunden mehr üben lassen als sie drei Mal zur Prüfung zu schicken. Als neulich zum ersten Mal seit drei Jahren ein Motorradfahrer durchfiel, habe sich der Prüfer sogar bei den Preußen entschuldigt.

Wer auf die Fahrschulfamilie Preuß zurückschaut, findet dort keinen Friedrich oder Wilhelm, sondern nur einen Großvater Otto und einen Fritz, der allerdings ein angeheirater Müller ist. Traditionsbewusster zeigt sich die Familie bei Festen, wo vorzugsweise märkisches Preußen-Pils getrunken wird. Und zwar eine Menge, denn Werner Preuß hat vier Geschwister. Das Überleben der Preußen ist also gesichert.

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