Zeitung Heute : Primus inter pares

HANS-PETER STRICKER

16 Jahre T-Online / Stärken sind Homebanking und DatenbankenVON HANS-PETER STRICKER

Es dauerte dann doch alles etwas länger.Nicht 1986 schon, wie in der berühmt-berüchtigten Diebold-Studie prognostiziert, sondern erst 1995 überschritt die Teilnehmerzahl von Btx/T-Online die Millionengrenze.Doch mit knapp 1,2 Millionen Teilnehmern ist T-Online heute unbestritten der größte unter den deutschen Online-Diensten - und rühmt sich des größten Informations- und Serviceangebotes unter seinesgleichen.Knapp 3000 Anbieter stellen Inhalte und Dienstleistungen zur Verfügung.Die meisten der fast 6000 Angebote betreffen Finanzen und Banken, gefolgt von Online-Shopping und Informationen aus allen Bereichen.So kann auf mehr als 20 Millionen Volltextartikel aus Zeitungen, Fachzeitschriften und Datenbanken zugegriffen werden.Meist jedoch nicht umsonst: Normalerweise zwischen einer und drei Mark kostet ein Volltext. Als besondere Serviceleistung ist das Homebanking hervorzuheben: Nahezu jede deutsche Bank erlaubt heute die Kontoführung über T-Online.Und daß man - mittlerweile kostenfrei - Telefonnummern und Adressen recherchieren kann, ist bei der Telekom-Tochter T-Online eigentlich selbstverständlich.Alles fing an mit einer Decoder-Box, die den Fernseher ans Telefonnetz anschloß.Das war 1980, Geburtsjahr von Btx.Durch das anfangs noch bescheidene Angebot navigierte man mit der Telefontastatur.Die Zeichen * und # - die zu T-Online gehören, wie das @ zum Internet - zeugen heute noch davon.Inzwischen hängt statt dem Fernseher der Computer am mittlerweile umbenannten T-Online-Netz. "Decoder" heißt heute die auf dem PC zu installierende T-Online-Zugangssoftware und ist als Benutzeroberfläche das, was der Browser für das World Wide Web ist.Sogenannte Seiten werden durch Eingabe einer Nummer direkt aufgerufen, die man wie eine WWW-typische "http://"-Adresse natürlich erst einmal kennen muß.Anders als im WWW gibt es allerdings eine autorisierte Einstiegsseite, von der aus man sich auch per Mausklick durch das komplette Angebot hindurchklicken kann. Grafisch hinkt T-Online dem WWW stark hinterher.Standard ist noch immer die sehr grobauflösende CEPT-Darstellung, Reminiszenz an die Zeit, als noch der Fernseher das Maß der Btx-Dinge war.Den Möglichkeiten eines modernen Computers - und vor allem den Seh-Gewohnheiten des modernen Computerbenutzers - kommt aber zunehmend der neue KIT-Standard entgegen.Die grafisch ausgereifteren KIT-Seiten sind allerdings noch dünn gesät.Nur in Btx-plus, den kostenpflichtigen Hochglanzseiten von T-Online, läuft bereits alles unter KIT. Von dem Benutzerkomfort, den das World Wide Web mittlerweile erreicht hat, kann man in T-Online vorerst nur träumen.Nicht selten geht es, während man online ist, weder vor noch zurück.Verzweifeltes Abwählen ist dann der einzige Ausweg.Gleichwohl gilt das inhaltliche Angebot als vorbildlich.Allerdings auch die Extrakosten, die für hochwertige Information nun einmal zu zahlen sind - und auch im Internet zu zahlen sein werden. Acht Mark im Monat kostet der T-Online-Zugang, zuzüglich 1,20 (18 bis 8 Uhr) oder 3,60 Mark (tagsüber) pro Online-Stunde (plus Telefongebühren).Für die Benutzung von Btxplus zahlt man 4,20 Mark pro Stunde extra, für den Internet-Zugang 3 Mark.Zudem ist eine einmalige Anschlußgebühr von 50 Mark fällig - diese Summe wird häufig von Banken übernommen, wenn gleichzeitig ein Online-Konto eingerichtet wird.

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