Zeitung Heute : Private Provider machen ernst

Leitungen zum Wissenschaftsnetz am Dienstag unterbrochen / Lösung nicht in Sicht­ sag Im deutschen Teil der Internets kam es am Dienstag zu einer Zweiteilung in einen kommerziellen Teil und den Wissenschaftsbereich.Der sonst übliche Austausch von Daten wurde erheblich erschwert, nachdem ein Teil der insgesamt 15 privaten Internet Provider ihre Leitungen zum Wissenschaftsnetz des DFN für einen Tag gekappt hatten.Während sonst Daten direkt zwischen den Netzen transportiert werden, mußten die Pakete gestern den weiten Weg über die USA nehmen.Die Folge: Mit einem Zugang bei einem privaten Provider blieb beispielsweise der Aufruf der Seite www.dfn.de erfolglos.Und auch ein Wissenschaftler, der zum Beispiel einen Beitrag von Tagesspiegel online lesen wollte, mußte viel Geduld mitbringen. Hintergrund dieser Aktion ist eine seit längerem schwelende Auseinandersetzung zwischen dem DFN und den privaten Providern um die Kosten für die Direktverbindung zwischen den Netzen.Bislang erhielt der DFN hierfür von den privaten Providern rund 1,5 Millionen DM jährlich, wie Gudrun Quandel vom DFN erläuterte.Die privaten Provider innerhalb des DFN-Vereins drängen nun auf ein sogenanntes Peering-Abkommen.Hierbei würde ein zentraler Übergangspunkt zwischen dem Wissenschaftsnetz und den privaten Netzen geschaffen werden, der ­ wie zwischen gleichwertigen Partnern üblich ­ finanziell von beiden Seiten getragen würde. Die Einrichtung eines zentralen Verbindungspunktes widerspreche jedoch den stetig wachsenden Anforderungen des Internets, hatte der DFN bislang diese Forderung abgelehnt.Die Erfahrungen in den USA hätten gezeigt, daß es besser sei, mehrere Austauschpunkte zu betreiben, um steigenden Verkehr auf den Leitungen besser begegnen zu können.Gegen die Einrichtung einer zentralen Schnittstelle ist der Verein jedoch auch aus finanziellen Gründen.Bei einem Großteil der rund 520 Mitglieder handelt es sich um wissenschaftliche Einrichtungen mit bekanntermaßen engen Budgets. Auch wenn derzeit eine Lösung des Problems nicht in Sicht ist, kann es nach Einschätzung von Gudrun Qundel keinen Zweifel daran geben, daß der Datenaustausch zwischen Wirtschaft und Wissenschaft auch in Zukunft ungehindert funktionieren muß.Daß die DFN-Mitglieder für die Werbeinhalte in den kommerziellen Netzen zur Kasse gebeten werden, will sie jedoch nicht einsehen, zumal der DFN über eine äußerst qualifizierte Zielgruppe verfüge. Am kommenden Mittwoch haben die Kontrahenten noch einmal die Möglichkeiten, ihre Streitigkeiten beizulegen.Unter dem Tagesordnungspunkt "Stand der Verhandlungen mit den Providern" diskutiert die Mitgliederversammlung des DFN in Bonn das Problem.

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