Proteste in Thailand : Marsch des Revoluzzers Suthep Thaugsuban

Danke schön, vielen Dank! Auf seinem Weg durch Bangkok wirkt Suthep Thaugsuban wie ein Erntehelfer, der Früchte von den Bäumen pflückt. Mit den Geldscheinen seiner Anhänger bezahlt er den Protest. Was wie ein buntes Volksfest aussieht, ist ein Umsturzversuch. Thailands Oberschicht wehrt sich gegen Neuwahlen.

Mathias Peer
Regierungsgegner feiern ihren Anführer Suthep Thaugsuban wie einen Star.
Regierungsgegner feiern ihren Anführer Suthep Thaugsuban wie einen Star.Foto: Mathias Peer

Der Mann ballt die Hände zu Fäusten und reißt die Arme in die Luft. Suthep Thaugsuban hat in Thailand zur Revolte aufgerufen und seine Anhänger begrüßen ihn mit dem ohrenbetäubenden Lärm aus ihren Trillerpfeifen. Hunderte Menschen umringen den eher unscheinbaren Politiker, Teenager kreischen bei seinem Anblick. Suthep setzt ein breites Lächeln auf, er schüttelt jede Hand, die er zu fassen bekommt. Eine Frau reicht ihm ihr Baby. Suthep presst dem Kleinkind einen Kuss auf die Wange. Die Menge johlt.

Es ist Mittwoch, zwei Tage nachdem Suthep, 64 Jahre alt, zusammen mit seinen Mitstreitern die Macht in Teilen der thailändischen Hauptstadt übernommen hatte. In Protestlagern an sieben der wichtigsten Verkehrsknotenpunkten Bangkoks campieren die Regierungsgegner. Es ist eine logistische Meisterleistung. Die Organisatoren haben nicht nur Bühnen, Leinwände und Lautsprecheranlagen an den entscheidenden Stellen in der City aufgebaut. Mit mobilen Großküchen versorgen sie außerdem tausende Menschen mit kostenlosem Essen. Sicherheitspersonal bewacht die Protestcamps. Das alles kostet nach Angaben der Organisatoren vier bis fünf Millionen Baht pro Tag, umgerechnet rund 100 000 Euro.

Eine Zehn-Stunden-Tour - zu Fuß

Suthep setzt auf seinen Kultstatus, um einen Teil dieser Kosten wieder einzunehmen. Nach der Massendemo am Montag führt er abermals einen Protestzug an, um Geld zu sammeln. Zu Fuß geht er entlang der Sukhumvit-Straße und durch die hippen Szeneviertel Ekkamai und Thonglor. Er wird zu einer Zehn-Stunden-Tour durch das Zentrum des thailändischen Widerstandes.

Die Wanderung startet an der Kreuzung Asok, im kommerziellen Zentrum der Stadt, wo sich normalerweise die Lastwagen, Autos und Busse stauen. Die Ampeln funktionieren zwar noch, aber der Verkehr ist verschwunden. Die Kreuzung wirkt wie eine Mischung aus Fußgängerzone und Rockfestivalgelände. Die Menschen schlafen in Zelten, auf Plastikdecken oder Pappkartons. Tagsüber verfolgen sie über Großbildleinwände die Nachrichten des Fernsehsenders „Bluesky“ oder hören die Musik, die aus den riesigen Lautsprechern an der Veranstaltungsbühne hämmert. Händler verkaufen T-Shirts, Streetfood und die Protest-Accessoires, die beinahe ausnahmslos jeder Demonstrant mit sich trägt: Thailandfahnen, Trillerpfeifen und anderes buntes Demonstrationszubehör. Es riecht nach Zigarettenrauch und gegrilltem Fleisch.

Das politische System radikal verändern

Die Demonstranten haben angekündigt, dass sie erst abziehen werden, wenn ihre politischen Ziele erfüllt sind. Sie wollen die Regierung stürzen und das politische System radikal verändern. Wenn es nach ihnen geht, soll die Familie von Premierministerin Yingluck Shinawatra und ihrem älteren Bruder, dem Ex-Premier Thaskin, nie wieder eine Chance haben, an die Macht zu kommen.

Eine „Revolution des Volkes“ nennt Suthep Thaugsuban den Umsturzversuch, den er bereits seit November, bislang erfolglos, vorantreibt. Die Besetzung von Bangkoks Verkehrsadern hat seiner Bewegung nun neuen Schwung verliehen. Am Mittwochmorgen hat er um kurz nach zehn in Turnschuhen und legerem Hemd das Demonstrationslager verlassen, um durch die angrenzenden Geschäfts- und Wohnviertel zu marschieren. Das Thermometer zeigt 27 Grad, das ist für thailändische Verhältnisse eher angenehm. Ein fast kühler Wind weht zwischen den Häuserschluchten. Doch Suthep muss sich immer wieder den Schweiß von der Stirn wischen. Von allen Seiten drängen seine Anhänger auf ihn ein. Dutzende Leibwächter bilden einen Kreis um den Oppositionellen, damit er von den Menschenmassen nicht erdrückt wird.

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