Zeitung Heute : Proteste in Tunesien trotz Ausgehverbot Präsident will 2014 nicht erneut kandidieren

Tunis/Berlin - Ungeachtet einer Ausgangssperre gehen die Unruhen in Tunesien weiter. Augenzeugen in der Hauptstadt Tunis berichteten am Donnerstag von Zusammenstößen wenige hundert Meter von der Zentralbank entfernt. Die Polizei riegelte Teile der Stadt ab.

In der Nacht zu Donnerstag war Augenzeugen zufolge erstmals in der Hauptstadt ein Mann bei Zusammenstößen von Demonstranten und der Polizei getötet worden. Nach Informationen der Internationalen Menschenrechtsliga in Paris sind bislang 66 Menschen getötet worden. In der Provinzhauptstadt Sidi Bouzid, wo die Proteste im vergangenen Monat begonnen hatten, gingen mehrere tausend regierungsfeindliche Demonstranten auf die Straße. Sie protestieren gegen die hohe Arbeitslosigkeit, die Korruption und die Unterdrückung im Land.

Nach den gewaltsamen Unruhen will Tunesiens Präsident Zine al-Abidine Ben Ali den Einsatz von Feuerwaffen gegen Demonstranten stoppen. Die Sicherheitskräfte hätten entsprechende Anweisungen erhalten, sagte Ben Ali am Donnerstag in einer Fernsehansprache. Zugleich kündigte er an, nach dem Ende seiner Amtszeit 2014 nicht erneut zu kandidieren.

Wegen der Unruhen in Tunesien rät das Auswärtige Amt von „nicht unbedingt erforderlichen Reisen“ in das nordafrikanische Land ab. Die Reisehinweise wurden entsprechend geändert.

Die tunesische Anwältin und Frauenrechtlerin Bochra Belhaj Hamida wertete die Berufung des liberalen Ex-Ministers Mohamed Jegham zum Präsidentenberater als positives Zeichen. Jegham werde von vielen Tunesiern als akzeptabler Nachfolger von Präsident Ben Ali gehandelt, sagte sie dem Tagesspiegel. Allerdings seien die Signale nicht eindeutig. Denn gleichzeitig schürten staatliche Provokateure die Gewalt, um eine noch brutalere Repression zu rechtfertigen.an/rtr

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