Zeitung Heute : Provider stellen Preismodelle auf den Prüfstand

MAURICE SHAHD

"Der Telekommunikationsmarkt ist derart in Bewegung, daß schon in naher Zukunft die Telefongebühren für Ortsgespräche drastisch sinken werden.Dann müssen auch die Provider ihre Preismodelle überprüfen", meint Frank Röben, Geschäftsführer der Startplus.de Internetprovider GmbH.Röben rechnet damit, daß im Laufe des Jahres Telefontarife eingeführt werden, bei denen in einer monatlichen Grundgebühr sämtliche Ortsgespräche enthalten sind.

Ein Problem wäre das vor allem für Internet-Provider, die einen Pauschaltarif im Angebot haben."Die Kunden könnten dann die Verbindung zum Provider ständig aufrecht erhalten, ohne daß Telefongebühren anfallen.Wir bräuchten dann für jeden einzelnen Kunden einen Anschluß", erläutert Röben.Aus Kostengründen sei das aber nicht möglich.Startplus habe daher keinen reinen Pauschaltarif mit unbegrenzter Nutzungsdauer im Angebot.Für 29 Mark 90 pro Monat erhält der Kunde 100 Freistunden, was auch für Vielsurfer ausreichend sein dürfte.Jede weitere Stunde kostet eine Mark.

Im Preis enthalten sind zwei E-Mail-Adressen und üppige zehn Megabyte Speicherplatz für die eigene Homepage.Als weitere Beschränkung ist der Traffic des Nutzers begrenzt.Es dürfen beim Surfen nicht mehr als 200 Megabyte aus dem Internet auf den heimischen PC übertragen werden."Damit wollen wir verhindern, daß der Anschluß für gewerbliche Zwecke genutzt wird", erklärt Röben.

Die Internet-Anbindung für Geschäftskunden ist das zweite Standbein von Startplus."Im Massenmarkt können wir gegen die großen Provider und Online-Dienste nicht bestehen.Unsere Marktnische sind Internet-Dienstleitungen für kleine und mittelständische Unternehmen", erläutert Röben.Obwohl bei vielen kleineren Unternehmen noch Zurückhaltung herrsche, werde die Bedeutung des Internets inzwischen erkannt.Oftmals gebe die Anschaffung von neuer Hard- oder Software den Anstoß für die Einrichtung eines Internet-Anschlusses.

Bei der Einrichtung des Zugangs setzt Startplus ausschließlich auf telefonischen Support.Ein Handbuch oder Software erhalten Neukunden nicht.Auch auf der Homepage des Providers sind Service-Hinweise rar.In einem internen Bereich kann der Nutzer feststellen, wie lange er bereits online war.Wichtig ist das vor allem für Nutzer des zweiten Tarifs, den Startplus anbietet.Für 9,90 Mark gibt es fünf Freistunden, jede weitere Stunde kostet eine Mark.

Im analogen Geschwindigkeitstest macht sich bemerkbar, daß Startplus nicht den schnellen V.90-Standard für 56K-Modems unterstützt.Die Einführung des V.90-Standards ist laut Geschäftsführer Röben "im Laufe des Jahres" vorgesehen.Beim analogen Download der Testdatei wird einer durchschnittliche maximale Übertragungsrate von nur 3,3 Kilobyte pro Sekunde erreicht.Bei der Übertragung per ISDN mit durchschnittlich 5,9 Kilobyte liegt Startplus im Mittelfeld.

Fazit: Startplus ist ein solider Provider, der nicht zu den Billiganbietern gehört.Surfer, die das Internet nur selten oder unregelmäßig nutzen, finden mit dem Tarif für monatlich 9,90 Mark und Stundenpreisen von einer Mark ein attraktives Angebot.Nicht ganz nachvollziehbar ist die monatliche Beschränkung des Datenverkehrs auf 200 Megabyte.Leichte Abstriche sind beim Service und der analogen Geschwindigkeit zu machen.Der Provider erhält die Bewertung "befriedigend".

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