Zeitung Heute : Provider-Wahl von entscheidender Bedeutung

MAURICE SHAHD

Der Weg ins Internet ist insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen steinig.Während der private Internet-Nutzer vor allem auf einen kostengünstigen Zugang achtet und auf der eigenen Homepage seinem Spieltrieb freien Lauf lassen kann, wollen die Internet-Aktivitäten eines Unternehmens sorgfältig geplant werden."Viele Unternehmer wissen noch zu wenig über das Internet und schätzen die Möglichkeiten, die das neue Medium bietet, falsch ein", meint Roland Külpmann, Leiter des Berlin-Brandenburger Kompetenzzentrums für den elektronischen Geschäftsverkehr (eCOMM).

Das mit öffentlichen Mitteln geförderte Zentrum (www.ecomm.berlin-brandenburg.org) hat es sich zur Aufgabe gemacht, Betriebe durch kostenlose Beratungen über die Chancen und Risiken des E-Commerce zu informieren."Insbesondere für Kleinbetriebe stellt sich die Frage, ob Kosten und Nutzen eines Internet-Einsatzes in vernünftiger Relation zueinander stehen", so Külpmann.Fest steht: Die Verbreitung des Internet wird immer weiter voranschreiten und in einigen Jahren wird sich kein Unternehmen mehr dem neuen Medium verschließen können.Fest steht aber auch, daß zunächst Kosten entstehen, ohne daß auf Anhieb mit höheren Umsätzen zu rechnen ist.

Entscheidet sich ein Betrieb für den Gang ins Netz, ist die Auswahl eines geeigneten Providers von entscheidender Bedeutung.Külpmann: "Wir empfehlen lokale Provider, die persönliche Beratung und Service garantieren.Zudem sollte der Provider über Kompetenz in der Branche des jeweiligen Kunden verfügen." Zu einem guten Service gehört die tägliche Datensicherung und die statistische Auswertung des Besucherverkehrs auf einer Website.Schnelligkeit und Erreichbarkeit seien ebenfalls wichtige Kriterien.Für Betriebe, die mit spitzer Feder rechnen, empfiehlt sich ein zweistufiges Vorgehen.Zunächst sollte ein Zugang zum Internet angeschafft werden, der auch für gewerbliche Nutzer schon ab 30 Mark pro Monat (Einzelplatz) zu haben ist.Mitarbeiter und Führungskräfte können sich dann mit dem Internet vertraut machen und praktische Erfahrungen sammeln.Als Informationsmedium kann das Internet für Recherchen über die Branche und die Mitbewerber des Unternehmens dienen.Durch die Einrichtung einer oder mehrerer E-Mail-Adressen wird das Internet als Kommunikationsmedium genutzt.Mit der Angabe der E-Mail-Adresse auf Visitenkarten und anderen Publikationen wird das Internet automatisch zum Marketing-Instrument, denn das Unternehmen dokumentiert damit seine Fähigkeit, neue Technologien zu nutzen.In einem zweiten Schritt kann eine eigene Homepage eingerichtet werden."Auf der Website sollte die Corporate Identity eines Unternehmens, die sich durch Logos oder Schriftzüge ausdrückt, wiederzufinden sein.Die Seiten sollten klar strukturiert und nicht überladen sein", erläutert Steffen David, Geschäftsführer von Internet Provider Berlin (I/P/B).Die Einrichtung einer Internetpräsenz inklusive des Designs einiger Webseiten, der Registrierung der Domain (Webadresse) und der Bereitstellung des Internet-Zugangs kostet einmalig ab 1000 Mark.Zusätzlich fallen monatliche Kosten für den Service oder nutzungsabhängige Gebühren an.Die Angebote der Provider sind sehr unterschiedlich und sollten sorgfältig verglichen werden.Auf das Kleingedruckte ist insbesondere bei variablen Größen, zum Beispiel der Menge der übertragenen Daten (Traffic) oder der zeitabhängigen Nutzung des Internet-Zugangs zu achten.Vorsicht ist auch bei der Registrierung der Domain geboten.

Zwar erfolgt die Eintragung einer Domain in der Regel über den Provider.Es sollte aber sichergestellt sein, daß das Unternehmen die Rechte an der Domain besitzt und nicht der Provider.Nur dann ist ein problemloser Wechsel des Providers ohne Besitzstreitigkeiten gewährleistet.



Viele Betriebe präsentieren sich, im Sinne einer elektronischen Broschüre, zunächst mit Informationen zum Unternehmen selbst und den angebotenen Produkten oder Dienstleistungen.Damit werden die eigentlichen Stärken des Mediums wie Interaktivität, Individualisierbarkeit oder Aktualität nur unzureichend genutzt."Entscheidet sich ein Unternehmen für die Präsentation aktueller Informationen oder sogar für den Verkauf über das Internet, müssen die internen Strukturen eines Betriebs angepaßt und Ressourcen bereitgestellt werden", erklärt Roland Külpmann.Gerade bei der tagesaktuellen Pflege der Webseiten sieht auch Mark Pratt, Geschäftsführer des Providers Beehive, ein "riesiges Problem.

Von den Mitarbeitern kleinerer Unternehmen kann nicht erwartet werden, daß sie sich mit HTML oder Frontpage auskennen." Sein Dienst entwickelt daher Software-Module, die eine unkomplizierte Pflege der Webseiten ermöglichen.Zum Repertoire eines jeden Providers sollten daher auch vorgefertigte Skripts gehören, die dem Kunden die leichte Einrichtung eines Zählers, Gästebuchs oder von Formularen ermöglichen.Den größten Vorteil einer Internet-Präsenz sieht Pratt darin, daß die Informationen "rund um die Uhr" abrufbar sind.Vor dem Gang ins Netz sollte sich jedes Unternehmen umfassend informieren und die eigenen Ziele definieren.

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