PUPPENKOMÖDIE„Die Muppets“ : Sei kein Frosch

von
Foto: WDS
Foto: WDS

Dieser Film sei ein „Liebesbrief an die eigene Kindheit“, fand der „New Yorker“. Allerdings kann so eine Kindheit, zumal in Amerika, sehr lange dauern, manchmal ein Leben lang. Und auch ein Liebesbrief kann einmal zu viel des Guten sein; zu süß, zu wolkig und schwerstens überladen ...

Wer liebte die Muppets nicht, die Puppenwesen mit ihrem anarchistisch-melancholischen Grundcharakter, diese musikalischen Monster, diese genialen Resteverwerter der Pop-Kultur. Ihr 1990 verstorbener Schöpfer Jim Henson brachte sie bereits in den sechziger Jahren ins Fernsehen, und wenn die Kermits und Gonzos und Miss Piggys anno 2012 zu einem Comeback antreten, dann ist das etwa so, als würde sich eine Supergroup wie Led Zeppelin wieder vereinen. Puppen freilich haben den Vorteil, dass sie nicht altern, jedenfalls nicht sichtbar.

Die Rückkehr der „Muppets“ ins Kino ist ein langer Hindernislauf über die Hürden von Vergesslichkeit und Ignoranz. Ihr altes Studio in Los Angeles soll abgerissen werden, ein fieser Geschäftsmann will auf dem Gelände nach Öl bohren. Um dies zu verhindern, trommelt Kermit, der Frosch, seine alten Freunde zu einer Spendengala zusammen.

Das Problem in James Bobins Film ist, dass zwei bis drei Stories nebeneinander herlaufen. Erstens die ziemlich fade Liebesgeschichte von Gary und Mary aus Smalltown. Mary hat irgendwann (nicht wirklich) genug davon, dass ihr Liebster nicht erwachsen wird, ein Muppet ist, kein Mann. Zweitens die Brudergeschichte von Gary und dem kleinen Walter, der ein Muppet ist, ohne es wahrhaben zu wollen. Und drittens das Drama des Comebacks. Da muss erst einmal ein TV-Sender überzeugt werden, dass man heute noch mit den Muppets Quote machen kann. Die Produzenten halten Kermit & Co. für alten Hippie-Quatsch. Und plötzlich läuft alles glatt, jubeln Tausende den alten Recken zu, als wären die Tiere nie fort gewesen.

Selten hat ein Film mit solchem Potenzial so viele Chancen verschenkt. Wo bleiben die Muppets- Greatest-Hits, warum wird der tumbe Jack Black als Stargast eingeladen, wozu überhaupt braucht man diese All-American-Kitschhochzeit von Mary und Gary? Unter dem erdrückenden Zuckerguss scheinen natürlich auch Glanznummern auf, vor allem mit dem „Tier“, aber was ist mit den Muppets los, wenn selbst Waldorf & Statler versöhnliche Töne anschlagen? Zu brav. Rüdiger Schaper

USA 2011, 109 Min., R: James Bobin, D: Chris

Cooper, Jack Black, Jean-Claude van Damme

Tagesspiegel - Debatten


Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben