QR-Codes : Für immer unvergessen

Auf dem Weg zum digitalen Friedhof: QR-Codes gibt es zunehmend auch auf Grabsteinen.

Roland Böhm
Symbiose von digital und analog. Auf einigen deutschen Friedhöfen sind QR-Codes auf Grabsteinen bereits möglich. Das Internet wird so – im übertragenen Sinne – zum Gedenkort.
Symbiose von digital und analog. Auf einigen deutschen Friedhöfen sind QR-Codes auf Grabsteinen bereits möglich. Das Internet wird...Foto: dpa

Man kennt sie von Bahn-Tickets oder aus der Werbung – doch langsam tauchen sie sogar auf Friedhöfen auf: schwarz-weiße Pixelmuster für den schnellen Weg mit dem Smartphone ins Internet, kurz QR-Codes. Mal auf angeschraubten Messingplatten, mal eingraviert auf dem Grabstein oder auf einer Stele davor.

Immer mehr Städte erlauben die Quick-Response-Codes in ihren Friedhofssatzungen. Wer ihn mit einer sogenannten App auf seinem Smartphone einliest, erhält aus dem Internet mehr Infos über den Toten als auf einen Grabstein passen. Möglich sind ebenso Weiterleitungen auf Kondolenzseiten.

Pixel-Plakette am Grabstein

Auch am Grabstein für die einstige DDR-Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley (1945–2010) auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin ist eine Pixel-Plakette angebracht. Sie leitet Nutzer auf eine Internetseite, wo sie unter anderem Lebensdaten und eine Bildergalerie einsehen können. Auch am Grab der im April in Afghanistan erschossenen deutschen Kriegsfotografin Anja Niedringhaus in Höxter ist eine Stele mit dem Code aufgestellt. Er führt direkt auf die ursprünglich noch von ihr selbst angelegte Homepage, die im Auftrag der Familie weitergeführt wird.

Letztlich müsse jeder selbst – oder die Angehörigen – entscheiden, ob er so etwas macht, sagt Volker Schirner, der Leiter des Garten-, Friedhofs- und Forstamts in Stuttgart. Die Stadt prüft derzeit, inwieweit Gräber von Prominenten mit den grafischen Codes versehen werden – „zur „modernen Wissensvermittlung“, wie Schirner es formuliert. „Wir befürworten das.“

Verknüpfung zur Facebook-Seite der Toten

Es passe zum Trend, im Internet auf entsprechenden Trauer- und Gedenkseiten zu trauern, berichtet der Stuttgarter Bestatter Marc Ramsaier. Die Nachfrage nach dem Grabmal 2.0 in Form von QR-Codes sei aber nicht besonders hoch. „Noch ist es Zukunftsmusik.“ Im Internet eine Kerze „anzuzünden“ oder an einem Grab zu stehen, seien eben völlig unterschiedliche Dinge.

Dennoch hat Ramsaier schon Todesanzeigen für seine Kunden geschaltet, bei denen man sich über den QR-Code zum Grab navigieren lassen konnte. Machbar sei vieles. Denkbar ist auch eine Verknüpfung zur Facebook-Seite der Toten. Aus Trauerseiten können so Gedenkseiten werden.

Nach Angaben des Deutschen Städtetages äußern immer mehr Städte den Wunsch, QR-Codes zuzulassen. Inzwischen gibt es eine Handlungsempfehlung für die Kommunen. Letztlich sei es jedoch eine reine Satzungsfrage, so ein Sprecher. „Das dürfen die Städte frei entscheiden, Vorgaben gibt es da nicht.“ Die Inhalte der Codes ließen sich gegebenenfalls einmal bei der Genehmigung prüfen, eine dauerhafte Kontrolle sei allerdings nicht machbar.

Für Oliver Wirthmann, Geschäftsführer des Kuratoriums Deutsche Bestattungskultur, illustrieren die QR-Codes die großen Veränderungen im Umgang mit Trauer. Er sieht solche Neuerungen eher positiv, die Friedhöfe würden dadurch gestärkt. „Und die Trauer braucht einen konkreten Ort“, sagt Wirthmann. „Hier gehen neue Trends und gewachsene Formen der Trauer am Grab eine gute Verbindung ein.“ (dpa)

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