Zeitung Heute : Qualität von Bildungssoftware hat sich verbessert

KURT SAGATZ

Digita 97 auf der Frankfurter Buchmesse vergeben / Interaktivität und sinnvoller Einsatz der multimedialen Elemente entscheidendVON KURT SAGATZDas Lernen mit digitalen Medien wird einfacher.Dies ist eine, wenn nicht die bedeutendste Erkenntnis des Deutschen Bildungssoftware-Preises Digitia 97, der am Mittwoch auf der Frankfurter Buchmesse an elf Programme in sechs Oberkategorien vergeben wurde.Dabei kamen die Gutachter und Juroren nicht nur bei den ausgezeichneten und nominierten Titeln zu diesem erfreulichen Ergebnis."Im Vergleich zum Vorjahr ist die Qualität des ganzen Feldes von 85 eingereichten Beiträgen gestiegen", freute sich Wilfried Hendricks vom Berliner Institut für Bildung in der Informationsgesellschaft (IBI). Der Preis, der in diesem Jahr zum dritten Mal verliehen wurde, wird neben dem an der Technischen Universität beheimateten IBI von der Zeitschrift "Bild der Wissenschaft", der Stiftung Lesen und erstmals auch von der Frankfurter Buchmesse getragen.Ziel des Digita ist es, "die inhaltlich und formal wertvollste Bildungssoftware im deutschsprachigen Raum auszuzeichnen", so die Auslober.Den Herstellern soll zugleich signalisiert werden, daß es sich auf Dauer lohnt, qualitativ hochwertige Produkte zu entwickeln.In diesem Zusammenhang appelliert das Institut an die Anbieter, auch die Kunden zu berücksichtigen, die den Wettlauf um immer schnellere Hardware nicht mitmachen können oder wollen.Der Vorschlag: Produktionen, die nicht nur auf unterschiedlichen Plattformen für Windows oder Macintosh laufen, sondern auch auf Geräten verschiedener Leistungsklassen. Zu den Preisträgern in der Kategorie "Allgemeinbildende Schulen" gehört unter anderem der "English Coach Multimedia" von Cornelsen Software.Dieses Programm, das sich am entsprechenden Lehrbuch orientiert und es vertieft, wurde dafür gelobt, daß es die "heutigen medialen Möglichkeiten konsequent sowohl an den Bedürfnissen des Lernenden als auch an den inhaltlichen Erfordernissen" orientiert.Im Bereich "Privates Lernen" in der Untergruppe "Über 16 Jahre" wurde "Sofies Welt" von Navigo ausgezeichnet.Auch bei diesem Programm, das auf dem gleichnamigen Philosophie-Besteller beruht, überzeugte die multimediale Umsetzung.In der neu aufgenommenen Kategorie "Online" kommt ein Programm zu Ehren, das hier nicht sofort vermutet würde: Das CD-ROM-Lexikon Encarta von Microsoft.Die Begründung: Encarta sei nicht nur "ein anspruchsvoll konzipiertes elektronisches Nachschlagewerk", sondern eröffne mit den zahlreichen Verlinkungen ins Internet auch die Online-Welt. Der Digita soll aber auch "eine Orientierung für die Käufer geben", so Wilfried Hendricks.Doch was zeichnet eigentlich gute Bildungssoftware aus? Für Eltern, Lehrer und Ausbilder ist die Aufzählung ausgewählter Titel, wie sie von entsprechenden Preisen vorgenommen wird, bei der Beurteilung neuer Titel schließlich nur bedingt von Nutzen.Hierbei wichtiger sind vielmehr die Kriterien, die zur Beurteilung zu Rate gezogen werden können.An erster Stelle steht dabei für Hendricks die Interaktivität.Auch spontane Fragen müssen von den Programmen aufgenommen und beantwortet werden, eine starre Führung hilft hier nicht weiter.Spektakuläre Multimedia-Ereignisse seien zudem verzichtbar, solange das Programm auf pfiffige Art den Nutzer packt und ihn so zum Lernen motiviert. Von seiten der Technik erwartet Hendricks von einem guten Programm, daß es hypermedial arbeitet, daß also entsprechende Verweise geschaltet wurden, möglichst - wie beim Preisträger Encarta - auch in die Online-Welt des Internets.Die verschiedenen Medien wie Ton, Bild oder Video sollten überdies dem Thema angemessen verwandt werden.Weniger ist auch hier oftmals mehr. Weitere wichtige Kriterien, die bei der Auswahl einbezogen werden sollten, sind ferner die Wahl der richtigen Lernmethode.Gute Programme sind in der Lage, auf die verschiedenen Voraussetzungen der Lernenden einzugehen.Des weiteren kommt es natürlich immer darauf an, für welche Zielgruppe ein Programm gesucht wird. Das schwierigste Kriterium ist aus Sicht des IBI-Chefs die Originalität der Software.Oftmals sei schon nach wenigen Minuten erkennbar, ob dem Programm ein Buch oder ein Film zugrunde liegt, da es sich bei den CD-ROMs nicht selten um reine Adaptionen aus anderen Bereichen handeln würde."Erst relativ wenig Produktionen sind auf dem Weg, originäre Titel mit Techniken zu schaffen, die dem neuen digitalen Medium entsprechen", so Hendricks.

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