Zeitung Heute : Quellcode

MARKUS VON RIMSCHA

Der Quellcode (englisch: source-code) eines Programms ist der Text, den der Programmierer bei der Entwicklung der Software geschrieben hat.Es handelt sich dabei um eine Folge von Anweisungen, die in der jeweiligen Programmiersprache notiert sind, die der Autor gewählt hat.Je nach Sprache sehen die eigentlichen Anweisungen sehr unterschiedlich aus.Verschiedene Programmiersprachen sind auf bestimmte Problemstellungen wie Steuerung von Geräten, Einlesen von Meßwerten, Datenbankoperationen, Steuerung von Telefonvermittlungsanlagen oder Simulationsaufgaben spezialisiert.

Eher gängige Programmiersprachen wie Pascal oder C sind mehr oder weniger neutral gehalten und daher für derartige Spezialaufgaben weniger geeignet.Sie decken quasi das ganze Spektrum ab, ohne zu starke Präferenzen für bestimmte Aufgabenbereiche zu zeigen.Die Lesbarkeit der Quelltexte variiert relativ stark.Während Programmiersprachen wie Pascal an eine formalisierte Niederschrift einer Folge von Anweisungen in Englisch erinnert, und so relativ einfach zu lesen sind, ist ein C-Quelltext sehr kryptisch.Insbesondere durch die Erweiterung C++, deren objektorientiertes Konzept hauptsächlich bei sehr großen Projekten sinnvoll ist, tauchen sehr viele Sonderzeichen auf, und es gibt verschiedene Abkürzungsmöglichkeiten.

Der Zweck dieses programmiersprachen-spezifischen Quelltextes ist in erster Linie die Dokumentation eines Programms.Er dient auch der Kommunikation.Soll jedoch ein Dritter den Text verstehen, so sind in der Regel ausführliche Kommentare erforderlich.Der Quelltext besteht also zum Teil auch aus reinen Anmerkungen, die nichts mit dem eigentlichen Programmablauf zu tun haben, sondern diesen nur erläutern.Der Computer jedoch, der das Programm letztendlich ausführen soll, kann mit dem Quelltext überhaupt nichts anfangen.Er versteht lediglich eine sehr eingeschränkte Zahl an vergleichsweise einfachen Instruktionen, den Maschinenbefehlen.Diese eignen sich zur Programmierung durch den Menschen wiederum kaum, da selbst recht einfache Probleme zu extrem langen und unübersichtlichen Programmen führen würden.Es ist also eine Übersetzung des Quelltextes aus der jeweiligen Programmiersprache in eine maschinenverständliche Form nötig.Ein positiver Nebeneffekt dieses Vorgehens ist die Tatsache, daß mit der Weitergabe eines Programmes keineswegs auch das Kopieren des Quelltextes verbunden sein muß.

Die Trennung in menschen-lesbaren Text und maschinen-lesbares Programm ermöglicht erst die Veröffentlichung von Anwendungen, deren genaue Arbeitsweise Betriebsgeheimnis bleiben soll.In der Praxis ist eine Weitergabe des Quelltextes eher selten, teilweise wird er aber auch bei professionellen Anwendungen freigegeben, beispielsweise beim Netscape Navigator.

Für die Übersetzung existieren verschiedene Varianten.Sogenannte Compiler-Sprachen wie C oder Pascal lesen den Quelltext - gegebenenfalls mehrmals - ein und übersetzen diesen dann in ein komplettes Programm aus Maschinenbefehlen.Dieser Vorgang des Compilierens führt zu einer völlig selbständig ausführbaren Anwendung.Der Benutzer braucht weder den Quelltext noch die eigentliche Programmiersprache, um das Produkt nutzen zu können.Wegen der Komplettübersetzung, in die eine ganze Serie von Optimierungsschritten integriert wird, arbeiten die Resultate meist relativ schnell.

Eine Alternative hierzu sind die Interpreter-Sprachen.Hier wird der Quelltext prinzipiell zeilenweise gelesen und auch Befehl für Befehl ausgeführt.Der Anwender benötigt den Quelltext sowie eine Variante der Programmiersprache, die aber das Ausführen eines fertigen Programmes gestatten muß.Da die Weitergabe des Quelltextes vom Autor meist nicht sehr gerne gesehen wird, wurden hier Zwischenformate eingeführt, die für den Menschen nicht mehr zu entziffern sind.Java beispielsweise übersetzt den Quelltext des Programmierers in den sogenannten Byte-Code, der dann beim Anwender von einem Java-System ausgeführt wird.

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