Rabbiner rügen Beschneidungsurteil : „Schwerster Angriff seit dem Holocaust“
13.07.2012 00:00 UhrDie deutschen Ärzte sind in der Frage gespalten
Die Direktorin des Deutschen Instituts für Menschenrechte, Beate Rudolf, kritisierte „Simplifizierungen in der Debatte“. Während die eine Seite die Schwere des Eingriffs durch eine Beschneidung einfach leugne, setze die andere die Religionsfreiheit pauschal hintan, sagte sie dem Tagesspiegel. Es müssten aber „drei Rechte miteinander abgewogen werden“, das Recht des Kindes auf körperliche Unversehrtheit, darauf, in einer religiösen Gemeinschaft aufzuwachsen – als Teil der Religionsfreiheit – und das religiöse Erziehungsrecht der Eltern. „Im Kölner Urteil und teilweise in der öffentlichen Debatte wird die zentrale religiöse Bedeutung der Beschneidung leider nicht gesehen.“ Zwar sei Beschneidung ohne Betäubung oder medizinische Fachkenntnis menschenrechtlich nicht hinnehmbar, auch sei zu prüfen, ob sie Traumatisierungen oder andere Spätfolgen habe: „Jenseits dessen hat der Staat Beschneidung angesichts ihrer Bedeutung für Juden wie Muslime zu akzeptieren.“
Die deutschen Ärzte sind in der Frage gespalten. Die Bundesärztekammer riet wegen der unklaren Rechtslage von Beschneidungen vorerst ab. Auch die Berliner Kammer empfiehlt dies ihren Mitgliedern. Der Vorstand werde das Thema auf der nächsten Sitzung im August besprechen, sagte Ärztekammer-Sprecher Sascha Rudat. Niedersachsens Hartmannbund hält religiöse Beschneidungen dagegen bis zur höchstrichterlichen Klärung für zulässig.











