Zeitung Heute : Radikale Klänge

ECKART SCHWINGER

Berliner Symphoniker mit Werken von Gubaidulina und Ustwolskaja

ECKART SCHWINGER

Lior Shambadal geht in seinen Konzerten mit den Berliner Symphonikern gern ungewöhnliche Wege, er liebt Ur- und Erstaufführungen.Nun präsentierte er Werke zweier avantgardistischer russischer Komponistinnen aus dem 19.und 2O.Jahrhundert.Sofia Gubaidulina und Galina Ustwolskaja verbindet eine tiefe Religiostät und kompositorische Eigenwilligkeit, was beiden dereinst im Heimatland Anfeindung, im Ausland Beachtung bescherte.Die 1931 in Cistopol geborene, seit 1992 in der Nähe Hamburgs wohnende Sofia Gubaidulina ist durch Aufführungen im Rahmen der Berliner Festwochen dem hiesigen Publikum ein Begriff.Diesmal war sie zu hören mit dem Konzert für Klavier und Kammerorchester "Introitus".Man spürt, daß die Komponistin aufgrund ihrer tatarischen Herkunft östliches Zeit- und Farbempfinden besitzt, eine Vorliebe für das Meditative, für ein orientalisch ausgeziertes Melos, für kleine Tonmuster.Spürbar wurden auch die persönlich berührenden, aufbegehrenden Klangwirkungen.Der virtuos am Flügel musizierende Vladimir Stoupel und die von Shambadal temperamentvoll geleiteten Berliner Symphonikern brachten scheinbar mühelos die Eigentümlichkeiten dieser Musik ans Licht.

Noch stärkere Spuren hinterließ die Komposition "Dies irae" (1972/73) der 1919 in Sankt Petersburg geborenen Schostakowitsch-Schülerin Galina Ustwolskaja.Da wird der Kreislauf von Leben und Sterben in emotionaler Dichte ausgeschritten.Antagonistisch eingesetzte Instrumentengruppen treten immer wieder in Erscheinung.Neben melancholisch-stillem Espressivo immer wieder schlagwerkartig gehämmerte, scharf bedrängende Klangstrecken, die nichts für nervenschwache Hörer sind.Im Vergleich zur Musik von Sofia Gubaidulina ist dies eine radikaler wirkende Klangsprache mit nachdenklich stimmendem Ausdrucksgestus.Auch dabei beeindruckte die plastische Wiedergabe.Zupackend, farbintensiv und präzis gingen auch die Werke von Rimski-Korsakow ("Sinfonietta über russische Themen") und Tschaikowsky ("Romeo und Julia") über die Bühne der Philharmonie. 





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