Zeitung Heute : Radikalkur

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1Mit einem sicheren Gespür für die Bedürfnisse Rat suchender Manager und nachhaltiger Durchschlagskraft lancierten die Amerikaner Michael Hammer und James Champy im Krisenjahr 1993 ihr Konzept des Business Process Reengineering (zu deutsch: Geschäftsprozessoptimierung). Dessen Kernbotschaft ist im Grunde simpel: „Wenn der Karren im Dreck steckt, schau nach, ob Du ein Rad freischaufeln kannst. Klappt das, lege das nächste frei. Dann überprüfst Du, ob die Achsen noch gerade ausgerichtet sind und die Lenkung funktioniert.“ Weil das mit voll beladenem Wagen nahezu unmöglich ist, raten Hammer / Champy, zuvor so viel Ballast wie möglich abzuwerfen. So geht jedes Reengineeringprojekt zwingend mit einer Straffung der Organisation und auch mit Personalabbau einher. Immerhin: Manche Betriebe gehen aus der Radikalkur gestärkt hervor. Dank der gründlichen Analyse aller Prozesse und des Leistungsspektrums verspricht Reengineering, sämtliche Schwachstellen zu Tage zu fördern. Jeder einzelne Prozess soll im Hinblick auf die Steigerung des Kundennutzens genau untersucht und in sich, aber auch im Zusammenspiel mit vor und nachgelagerten Prozessen verbessert werden. Eine Mammutaufgabe, für die ein paar Jährchen ins Land gehen. Rund 70 Prozent aller Reengineeringvorhaben sollen übrigens gescheitert sein.

Praktiziert beispielsweise von: Telekom

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