Zeitung Heute : Ratgeberliteratur: "Telefonieren, lesen und Leute treffen" - Uta Glaubitz über das Schreiben

Frau Glaubitz[Ihre Reihe "Jobs für ..." star]

Uta Glaubitz, ist Berufsfindungsberaterin und bringt zur Leipziger Buchmesse eine Ratgeberreihe heraus. Alle Titel beginnen mit "Jobs für...": "Jobs für Kommunikationstalente und Quasselstrippen", "Jobs für Sportfreaks" und "Jobs für Bücherwürmer und Leseratten".

Frau Glaubitz, Ihre Reihe "Jobs für ..." startet mit drei Büchern gleichzeitig. Fällt Ihnen bei so viel Text überhaupt noch etwas Neues ein?

Eine Buchreihe muss mit mindestens drei Titeln anfangen, sonst versteht niemand das Konzept. Außerdem behandelt jedes Buch einen anderen Typ von Mensch: Die einen reden unermüdlich, die anderen treiben viel Sport und wieder andere lieben Bücher. Ich zeige auf, wie man aus diesen Hobbys, Stärken und Leidenschaften einen Beruf macht.

Die Regale in den Buchhandlungen sind voll von Ratgebern. Wer braucht noch einen weiteren Karriereführer?

Die meisten davon zeichnen konventionelle Wege auf, wie man sich an vorgegebene Strukturen anpasst. Ich zeige den Lesern lieber, wie Sie einen Beruf finden, der zu Ihnen passt. Und ich erzähle Geschichten aus dem Leben: Wie die Krankenschwester zum Kapitän wurde, wie der Sozialpädagoge ins Harald-Schmidt-Witzeteam kam und wie die Ingenieurin einen Job in der Basketball-Spielergewerkschaft bekommen hat.

Wie sieht der Arbeitstag einer Autorin aus?

Recherchieren, schreiben, überarbeiten. Ganz viel telefonieren, lesen und Leute treffen. Die Leser wollen ja Geschichten hören, unterhalten werden und außerdem Informationen bekommen. Wer immer nur berichtet, was alle schon wissen, kann keine interessanten Bücher schreiben. Wenn alles fertig ist, kann man als Autor auf Lesereise gehen und Vorträge halten.

Sie stellen über 150 Berufe vor, die mit den typischen Ausbildungsberufen wenig zu tun haben. Wie finden Sie so viele Fallbeispiele?

Mit offenen Augen durch die Welt laufen, Zeitung lesen, fernsehen, mit Leuten in der S-Bahn reden. Der real existierende Arbeitsmarkt ist viel bunter als man denkt. Und was es nicht gibt, kann ja noch kommen.

Kennen Sie die ganzen Leute, deren Beruf Sie vorstellen?

Manche treffe ich, mit anderen spreche ich am Telefon. Sich die Storys auszudenken hätte keinen Sinn. Der Text klingt sonst wie aus der Retorte. Wenn ich über Berufe erzähle, muss ich Leute zeigen, dann klingt es nicht nach Arbeitsamt, sondern nach Leben.

Haben Sie das alles allein geschrieben?

Ich arbeite mit Kollegen, die recherchieren.Manche schreiben auch Texte, die ich übernehme oder überarbeite. Alle Ko-Autoren werden in der Einleitung genannt.

Was ist das Schwierigste beim Schreiben? Der berühmte erste Satz?

Der ist bei jedem Kapitel schwierig. Der Anfang muss den Leser in den Text hineinziehen. Vor dem Buch oder der Reihe steht natürlich ein tragfähiges Konzept. Buchverlage sind schließlich Wirtschaftsunternehmen. Nur Ämter können sich leisten, Sachen zu drucken, die keiner liest.

Publizieren ist für viele ein Marketinginstrument. Was muss man dafür können?

Grundsätzlich gilt: Hirn ist gut, Hintern ist besser. Niemand kann einen schönen Text aus dem Ärmel schütteln. Man fängt an und dann wird alles 80 Mal überarbeitet, bis es langsam zu schimmern beginnt. Wer direkt den eigenen Genius zwischen den Zeilen sucht, ist in dem Geschäft falsch.

Muss man einen Verlag dafür bezahlen, das Buch zu veröffentlichen?

Nein - außer Dissertationsdrucke oder Books on demand. Wer Miniverleger spielen möchte, kann sein Buch in Eigenregie - etwa über das Internet - vermarkten. Von einem Verlag dagegen erhält man als Autor in der Regel einen Vorschuss und Prozente vom Verkauf. Alles ist Verhandlungssache.

Warten die Verlage darauf, dass Lieschen Müller ihnen ein Manuskript anbietet?

Obwohl heute ziemlich viel Mist gedruckt wird, ist ein vernünftiges Konzept natürlich vorteilhaft. Am besten erstmal recherchieren, welcher Verlag ein passendes Programm hat und was dort bislang erschien.

Wann hat man als Autor ausgesorgt?

Es ist wie mit der Schauspielerei. Man kann nach einem Erfolg Millionär sein. Und man kann auch im fünfzigsten Film noch eine schlecht bezahlte Nebenrolle spielen.

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