Zeitung Heute : Recht und Reisen: Aktuelle Tipps

tdt

Kerosin. Die Klausel in einem Pauschalreisevertrag, nach der Preiserhöhungen "bei den Beförderungskosten" (Beispiel: Kerosin) an den Reisenden in dem Umfang weitergegeben werden können, "wie sich deren Erhöhung pro Person und Sitzplatz auf den Reisepreis auswirkt", ist unwirksam, da die Reisenden "nicht einmal ansatzweise die Erhöhung nachprüfen" können. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 36 C 151/00) W. B.

Unruhen. Die Erklärung der PKK im Frühjahr 1999, die gesamte Türkei sei Kriegsgebiet, auch die Touristenzonen, berechtigt nicht, einen Pauschalreisevertrag wegen höherer Gewalt zu kündigen. Soweit "lediglich politische Unruhen" vorliegen, die schon länger bestehen, aber Ferienaufenthalte noch nicht gestört haben, handelt es sich um ein "allgemeines Lebensrisiko der Reisenden, die sich entschlossen haben, "in dieses Zielgebiet zu fahren". (Urteil des Amtsgerichts Düsseldorf, Aktenzeichen: 32 C 12616/99) W. B.

Umwege. Soll eine Heimreise aus einem Urlaubsdomizil anstatt - wie geplant - direkt (hier: von Antalya nach Hamburg) auf Umwegen stattfinden (hier zunächst per Bus von Alanya nach Antalya und Dalaman, dann per Flieger nach Frankfurt und wieder per Bus nach Hamburg), so kann der Reisende dem Veranstalter einen daraufhin selbst gebuchten Nonstop-Flug sowie einen benötigten Mietwagen in Rechnung stellen. (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 318"c C 36/00) W. B.

Familien. Wird eine Ferienanlage (hier: auf Korfu) im Katalog des Reiseveranstalters als "familiengerecht" ausgewiesen, ist das Zimmer vor Ort aber tatsächlich nur zwölf Quadratmeter groß - wovon 7,2 Quadratmeter bereits vom Bett "geschluckt" werden -, so können die hier betroffenen Großeltern mit zwei Enkeln den Reisepreis nachträglich mindern, weil an ein "Zusammensitzen in familiärer Runde" nicht zu denken war. Die Minderung betrug im vorliegenden Fall 20 Prozent. (Landgericht Kleve, Aktenzeichen: 6 S 137/00) W. B.

Jeep. Fährt ein Urlauber, der eine Jeep-Safari gebucht hat, statt mit dem vom Veranstalter bereitgestellten Fahrzeug bei einem anderen Urlauber mit, der selbst am Steuer sitzt, so hat er damit, ohne dies ausdrücklich erwähnt zu haben, einen stillschweigenden Haftungsverzicht gegenüber dem Fahrer ausgesprochen, von grober Fahrlässigkeit oder Vorsatz abgesehen. (Urteil am Oberlandesgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 26 U 21/99) W. B.

Ersatzticket. Ein Luftfahrtunternehmen, das einem Reisenden ein Ersatzticket ausstellt, weil das Originalticket verloren wurde, darf als Bearbeitungsgebühr nicht 120 Mark, sondern nur 50 Mark verlangen, weil "der Blick in den Computer und die Eingabe der jeweiligen Daten" keinen hohen Zeitaufwand erfordern. (Amtsgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 25 C 13114/99) W. B.

Reiseleitung. Wird ein Lehrerehepaar auf einer Studienreise (hier: nach China) von einer Reiseleiterin betreut, die weder die Örtlichkeiten kennt noch die Historie des Landes beherrscht, so können die Urlauber dennoch nur dann eine Reisepreisminderung fordern, wenn sie bereits an Ort und Stelle ihre Unzufriedenheit über die Reiseleiterin geäußert haben und so dem Veranstalter die Möglichkeit gegeben hätten, für Abhilfe zu sorgen. (Landgericht Kiel, Aktenzeichen: 1 S 87/99) W. B.

Anspruch. Verärgerte Reisende sollten sich mit ihren Gewährleistungsansprüchen nicht vorschnell an ihr Reisebüro wenden. Nach einem Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg kann der Reiseveranstalter darauf bestehen, dass Ansprüche nur ihm gegenüber geltend gemacht werden dürfen (Aktenzeichen: 2 C 3232/98-22). Eine entsprechende Klausel in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) sei wirksam, da sie den Reisenden nicht unangemessen benachteilige, heißt es in der von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt herausgegebenen Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" unter Berufung auf das Urteil.

So wisse der Urlauber in der Regel, dass mit der Vermittlung der Reise die Tätigkeit des Reisebüros abgeschlossen sei. Wer sich dennoch an das Reisebüro hält, läuft Gefahr die gesetzlichen Fristen für das Anmelden von Ansprüchen zu verpassen. dpa

Verpasst. Reiseunternehmer haften, wenn Kunden wegen einer falschen Auskunft der Fluggesellschaft ihren Abflug verpassen. Nach einem Urteil des Münchner Amtsgerichts muss der Veranstalter die Kosten der Tickets für einen späteren Flug tragen. Die Fluglinie sei lediglich "Erfüllungsgehilfe" des Reiseunternehmens (Aktenzeichen: 113 C 2852/2000). Die Kläger, ein Ehepaar, hatten eine Pauschalreise auf die Balearen gebucht. Sie schlossen sich gut eineinhalb Stunden vor dem Abflug am Check-In-Schalter der Fluglinie einer riesigen Menschenmenge an. Nach einer Stunde Wartezeit bekamen sie die Auskunft, der Abflug verzögere sich um 70 Minuten. Tatsächlich startete die Maschine pünktlich. Die beiden Pauschalreisenden wurden nicht mehr abgefertigt und mussten 780 Mark für einen späteren Flug bezahlen. Laut Urteil hatten die Eheleute wegen der falschen Auskunft keinen Grund sich vorzudrängen. Die Fluglinie hätte sicherstellen müssen, dass alle Fluggäste rechtzeitig abgefertigt wurden. Dafür hafte aber letztlich der Reiseveranstalter, der für Fehler der Transportleistung in gleicher Weise hafte wie für Mängel der Unterbringung in Vertragshotels. Das Urteil ist bereits rechtskräftig. dpa

Feingefühl. Kopfschütteln unter Juristen erntet ein vom Amtsgerichts Neuss (Aktenzeichen: 42 C 672/99) formuliertes Urteil. Es erstritt eine Pauschaltouristin, die in ihrem Zimmer von einem Mitarbeiter des Ferienhotels vergewaltigt wurde und zu Hause vor den Kadi zog. Der "Reisemangel" rechtfertige "die Minderung des Reisepreises um 100 Prozent", heißt es in der Begründung lapidar. "Auch wenn sich die Vergewaltigung erst in der letzten Nacht ereignete und bis dahin die Leistungen von der Beklagten ordnungsgemäß erbracht worden sind." tdt

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