Zeitung Heute : Recht und Reisen: Aktuelle Urteile

W. B.

Zusicherung. Hat ein Reiseveranstalter erklärt, dass "der nächste Flug nach Hause und der volle Reisepreis" (zurück-)gezahlt werden, "wenn eine Leistung nicht der Katalogbeschreibung entspricht", falls die Mängel nicht auf "politischen Unruhen, Naturgewalt oder Streiks" zurückzuführen sind, so ist er an die Zusicherung gebunden - auch wenn die Unzulänglichkeiten (verdreckter Pool, schmutziges Zimmer, keine Animation) an sich nicht "erheblich" waren. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 191 C 3759/01)

Infektion. Urlauber, die sich durch eine Mahlzeit im Hotel eine Infektion zuziehen, haben Anspruch auf Schadensersatz und teilweise Erstattung des Reisepreises. Das teilt der Anwalt-Suchservice in Köln mit,unter Hinweis auf ein Urteil des Landgerichts Düsseldorf mit (Aktenzeichen: 22 S 443/99). In dem verhandelten Fall zog sich eine Frau am Büfett eine Salmonelleninfektion zu. Sie wurde bettlägrig. Auf Grund der Erkrankung reiste sie mit ihrem Mann vorzeitig ab. Die Frau musste schließlich nur die ersten Urlaubstage bezahlen. Zusätzlich bekam sie Schadenersatz zugesprochen wegen nutzlos vertaner Urlaubszeit. Auch ihr Mann durfte den Reisepreis mindern, da er seine Frau gepflegt hatte. dpa

Traumstrand. Wird ein Urlaubsziel in der Karibik vom Reiseprospekt ausdrücklich durch einen "Traumstrand" hervorgehoben, so ist der Reiseveranstalter verpflichtet, 30 Prozent des Reisepreises zurück zu zahlen, wenn Pauschalurlauber einen durch einen Taifun zum Teil "entsandeten" und mit Steinen übersäten Strand vorfinden - wenn das Unwetter schon einen Monat vor Urlaubsbeginn gewütet hatte und damit Zeit war, die Urlauber darüber zu informieren. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/21 O 189/00)

Post. Trifft ein Ehepaar zu spät am Flughafen ein, weil es ein Telegramm des Reisebüros, mit dem eine um neun Stunden vorgezogene Abflugzeit mitgeteilt wurde, nicht erhalten hat, so kann es den Reisepreis zurück verlangen, wenn es Ersatzflüge ablehnt, weil dies Umstände bereitet hätte. Anspruch auf Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit besteht aber nicht, weil sich der Veranstalter auf den Zugang des Telegramms hatte verlassen können. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 2165/00-21)

Flugangst. Leidet ein Pauschaltourist bereits Wochen vor seinem Flug an Schlafstörungen und Angstgefühlen und will er die Reise absagen, so kann er die Stornogebühren nicht auf seine Reiserücktrittskostenversicherung abwälzen, da Flugangst kein ausreichender Stornogrund ist. (Amtsgericht München, Aktenzeichen: 181 C 1598/00)

Zu kurzes Bett. Hat eine (hier: dreiköpfige) Familie auf einem Kreuzfahrtschiff eine Dreierkabine gebucht (und bezahlt), und stellt sich auf dem Schiff heraus, dass die Tochter auf einem zu kurzen Sofa schlafen muss (was dazu führte, dass sie im Bett der Eltern schlafen musste), so kann der Reisepreis nachträglich (hier: um 35 Prozent) gemindert werden. (Amtsgericht Offenbach, Aktenzeichen: 31 C 6017/00)

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