Zeitung Heute : Recht und Reisen: Entgangene Urlaubsfreuden und vieles mehr

W. B.

Schloss. Sind die Zimmertüren eines Hotels nicht mit Sicherheitsschlössern versehen und werden aus einem Zimmer Wertsachen gestohlen, so muss der Hotelbesitzer den Schaden nicht ersetzen, wenn er den Gästen auf Anfrage einen Hotelsafe bieten kann. (Landgericht Itzehoe, Aktenzeichen: 3 O 47/98) W. B.

Freudlos. Rentner haben keinen Anspruch auf Entschädigung wegen entgangener Urlaubsfreude. Das entschied in der vergangenen Woche eine Bonner Amtsrichterin. Im konkreten Fall hatte ein Rentnerehepaar im Januar 1999 eine dreiwöchige Ägyptenreise vorzeitig abbrechen müssen, weil ihr Kreuzfahrtschiff während eines Tagesausfluges restlos ausgebrannt war. "Als Rentner können Sie den Urlaub jederzeit nachholen, im Gegensatz zu Berufstätigen, deren Urlaubszeit im Jahr begrenzt ist", erklärte die Richterin zur Begründung ihres Urteils. Das Reiseunternehmen aus Bonn hatte zwar umgehend den gesamten Reisepreis in Höhe von knapp 4500 Mark zurück erstattet und auch rund zwei Drittel des Werts des verbrannten Reisegepäcks in Höhe von knapp 6500 Mark ersetzt. Dennoch hatte das Ehepaar das Unternehmen vor dem Amtsgericht auf die restliche Erstattung des Schadens sowie auf eine Entschädigung für "entgangene Urlaubsfreuden" verklagt. Trotz des Urteils zeigte sich das Reiseunternehmen kulant und war bereit - in einem gerichtlichen Vergleich - weitere 2000 Mark an das geschädigte Ehepaar zu zahlen (Amtsgericht Bonn, Aktenzeichen: 7 C 479/00). dpa

Korallen. Auch wenn ein Reiseveranstalter in einem Prospekt für eine so genannte Fortunareise auf die Malediven mit "hervorragenden Tauchrevieren und faszinierender Unterwasserwelt" wirbt, kann eine Tauchgruppe keine Reisepreisminderung verlangen (hier gefordert: 60 Prozent), wenn vor Ort abgestorbene und zusammengebrochene Korallenriffe vorgefunden wurden. Im Prospekt wurde "keine Zusicherung hinsichtlich einer intakten Unterwasserwelt" gemacht. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 3864/99-10) W. B.

Fluglärm. Auch wenn im Katalog darauf hingewiesen wurde, dass am Urlaubsort "ab und zu" mit Fluglärm zu rechnen sei, ist eine nachträgliche Reisepreisminderung (hier in Höhe von zehn Prozent) gerechtfertigt, wenn tatsächlich zwei bis drei Mal pro Stunde das Hotel von Flugzeugen überflogen wird. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 861/99-12) W. B.

Flugbenzin. Verteuert sich das Flugbenzin, so sind Veranstalter (hier: LTU und Bucher-Reisen) berechtigt, unter Hinweis auf ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen von Kunden einen "Kerosinzuschlag" nachzuerheben. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 12 O 175/00; 12 O 176/00) W. B.

Kinderbetreuung. Buchen Eltern einen Urlaub, weil der Reiseprospekt eine Kinderbetreuung ("Miniclub") versprochen hatte, erweist sich dies jedoch als Fehlmeldung, so hat der Reiseveranstalter nachträglich zehn Prozent des Reisepreises zu erstatten, womit der Nachteil ausgeglichen wird, dass die Eltern ihre Ferien "weniger beweglich" genießen konnten. (Amtsgericht Hamburg, Aktenzeichen: 18b C 5/99) W. B.

Flugschein. Es passiert immer wieder mal, doch keine Angst: Wer seinen Flugschein verloren hat, verliert nicht den Beförderungsanspruch gegenüber der Fluggesellschaft. Das berichtet die von der Deutschen Gesellschaft für Reiserecht in Frankfurt herausgegebene Zeitschrift "ReiseRecht aktuell" unter Berufung auf ein Urteil des Amtsgerichts Bad Homburg (Aktenzeichen 2 C 4150/99 (15)). Der Anspruch ist demnach nicht an die Vorlage des Tickets gebunden.

Die Fluggesellschaft muss Schadenersatz an den Urlauber zahlen, wenn sie ihm erst für einen späteren Flug Ersatztickets ausstellt. Einen Schadenersatz wegen entgangener Urlaubsfreude lehnte das Gericht jedoch ab. Voraussetzung dafür sei, dass der Kläger bei dem Unternehmen eine Reise aus mindestens zwei Bestandteilen und nicht bloß den Flug gebucht hat.

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