Zeitung Heute : Recht und Reisen

W. B.

Steilküste. Ist in einer Ferienanlage (hier: auf der Mittelmeerinsel Ibiza) der Poolbereich nur durch eine 30 Zentimeter hohe Steinmauer von einer senkrecht abfallenden Steilküste abgegrenzt und stürzt eine Urlauberin bei einer Poolparty in die Tiefe mit der Folge, dass sie eine 100-prozentige Erwerbsunfähigkeit erleidet, so muss der Reiseveranstalter Schadenersatz (abzüglich 20 Prozent wegen Eigenverschuldens der Urlauberin) leisten. (Oberlandesgericht Celle, Aktenzeichen: 11 U 199/97) W. B.

Versicherung. Eine Versicherung darf in ihren Klauseln für eine Auslandsreise-Krankenversicherung den Schutz nicht für "Untersuchungen und Behandlungen zur Schwangerschaftsüberwachung, ferner für Entbindungen und Schwangerschaftsabbruch sowie deren Folgen" ausschließen, wenn sie bereits deutlich macht, dass sie nur für "unvorhergesehen eintretende Versicherungsfälle" leistet. (Ein Urteil des Bundesgerichtshofs, Aktenzeichen: IV ZR 235/99) W. B.

Missbrauch. Reiseunternehmen sind nicht berechtigt, Ferienaufenthalte (hier: Busreisen an den Gardasee) zu verlosen, die jeweils einem "halben Doppelzimmer" entsprechen, wenn für den Fall, dass das Zimmer allein genutzt werden soll, ein Zuschlag (hier: von 170 Mark) zu zahlen ist oder der Gewinner dafür sorgen muss, dass er einen Bekannten als Mitbewohner für das in Aussicht gestellte Zimmer findet, der dann aber den vollen Reisepreis bezahlen soll. (Urteil am Saarländischen Oberlandesgericht, Aktenzeichen: 1 U 498/99) W. B.

Ticket-Makler. Wird dem Kunden eines Reisebüros nicht gesagt, dass ein "Ticket-Makler" als eigentlicher Verkäufer (hier: für Eintrittskarten bei der Fußball-WM 1998) zwischengeschaltet ist, so haftet das Büro, wenn der Zwischenverkäufer Konkurs geht und die Karten nicht geliefert werden konnten. (Landgericht Coburg, Aktenzeichen: 32 S 125/99) W. B.

Urlaubsfreude. Wird ein Pauschaltourist am Urlaubsort vor der Abreise aufgefordert, die Hotelrechnung zu bezahlen, andernfalls die zu Beginn deponierten Rückflugtickets nicht ausgegeben würden, so wurde damit die Urlaubsfreude gemindert - mit der Folge, dass der Reiseveranstalter den Reisepreis nachträglich um zehn Prozent zu mindern hat. (Urteil am Amtsgericht Hamburg-Altona, Aktenzeichen: 316 C 304/00) W. B.

Reisemängel. Auf zwei Urteile des Landgerichts Kleve macht die Verbraucher-Zentrale Nordrhein-Westfalen aufmerksam. So steht Pauschalurlaubern eine Erstattung von 15 Prozent des Reisepreises zu, ist der zugesicherte Golfplatz während des Urlaubs nicht bespielbar (Aktenzeichen: 6 S 84/00).

Eine Minderung von sogar 20 Prozent ist angemessen, entpuppt sich das im Hotelkatalog als "familiengerechtes Zimmer" angepriesene Quartier als lediglich notdürftig hergerichtetes Doppelzimmer (Aktenzeichen: 6 S 137/00). tdt

Reisegepäckversicherung. Lässt eine Zugreisende ihren Laptop während eines Toilettengangs an ihrem Platz zurück und wird das Gerät gestohlen, so kann sie keinen Ersatz aus ihrer Reisegepäckversicherung verlangen. Sie hätte nach Ansicht des Gerichts den Computer nicht aus den Augen lassen dürfen und ihn zur Not auch mit auf die Toilette nehmen müssen. (Landgericht Saarbrücken, Aktenzeichen: 13 A S 83/99) tdt

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