Zeitung Heute : Reibungslos

SYBILL MAHLKE

Das Ensemble Aventure aus Freiburg in der StaatsbibliothekSYBILL MAHLKE15 Mitglieder zählt das Freiburger Ensemble Aventure und holt sich noch Gäste dazu, um variabel zu sein für seine Aufgaben vor allem in der Musik des 20.Jahrhunderts.Das vorliegende Programm für die gerade begonnene Saison schließt Wagners "Siegfried-Idyll" sowie ein noch zu komponierendes Auftragswerk von Helmut Oehring ein.So schafft die Wendigkeit des Ensembles, daß es bei vielen Festivals gebraucht wird und auf einen Preis der Deutschen Schallplattenkritik blicken kann - für eine CD mit Werken von Varèse bis Rolf Riehm. Reduziert um eine Komposition von Georg Katzer genügt für den in Freiburg schon vorgestellten Ost-West-Beitrag der Berliner Festwochen eine kleine Abordnung von vier jungen Leuten, die im jämmerlich spärlich besetzten Otto-Braun-Saal auftreten: Das Streichtrio aus Horst Hildebrandt, Ruth Killius und Barbara Körber und die Flötistin Martina Roth spielen zusammen in der "Sonate 3" von Erhard Großkopf: Das Stück aus dem Jahr 1967 "erinnert" und "gemahnt" an alles mögliche, ohne daß der Komponist eine gewisse zeitgenössische Beliebigkeit schon abgestreift hätte wie in späteren Werken.In der jungen DDR schreibt Max Butting (1888-1976) "Drei Sätze für Streichtrio", die Dodekaphonie und tonale Innigkeit zu gefälliger Sprache verbinden. Ferner stellt das Trio B-A-C-H-Kompositionen von Hanns Eisler (1934) und Ernst Krenek (1950) vor, die auf Zwölftonreihen basieren - musikantisch, aphoristisch, charakteristisch das eine Stück, während das andere schon durch den schönen langen Titel besticht, der echter Krenek ist: "Parvula Corona Musicalis - ad honorem Johannis Sebastiani Bach composita secundum methodum duodecim tonorum Ernestum Krenek anno Domini MCML." Das jüngste Streichtrio (1989) des Abends stammt von Annette Schlünz (A-S-C-H wie Arnold Schönberg) und ist eine atmosphärisch dichte Musik, deren Tupfer den streckenweise auch sordinierten Streichern in die Instrumente geschrieben sind, ohne deren Eigenschaften modisch zu überreizen. Wenn die Flötistin sich der Komposition "Solo 7" (1982) annimmt, die Rainer Bredemeyer (gestorben 1996) für Werner Tast komponiert hat, kommt ein Eindruck von interpretatorischer Bravheit auf, weil über das Gekonnte hinaus wenig geboten wird.Überhaupt lassen die vielseitigen vier Musiker die Gefahr spüren, daß sie auf hohem technischem Niveau sich zufrieden geben - mit reibungsloser Kunst.

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