Zeitung Heute : Reiche Ernte im Blumenbeet

06.08.2011 02:00 UhrVon Eva Neumann
Sonnenblumensamen eignen sich prima, auch für kleine Kinderhände. Ernten sollte man, wenn die Blüten langsam verblühen – nicht früher, aber auch nicht später. Foto: dpa-tmn Foto: dpa-tmn
Sonnenblumensamen eignen sich prima, auch für kleine Kinderhände. Ernten sollte man, wenn die Blüten langsam verblühen – nicht früher, aber auch nicht später. Foto: dpa-tmn - Foto: dpa-tmn

Viele Zierpflanzen lassen sich vermehren, indem man ihre Samen sammelt und neu aussät. Gut gelagert, halten sie bis zu drei Jahren

Wer die schönsten Sommerblumen im kommenden Jahr wieder – oder noch zahlreicher – im Beet bestaunen will, darf nicht einfach zuschauen, wie sie verwelken. Viele Zierpflanzen lassen sich vermehren, indem ihre Samen geerntet und ausgesät werden. Der richtige Zeitpunkt dafür ist gekommen, wenn der Sommer seinem Höhepunkt naht und viele Blumen langsam verblühen, braun werden und die Köpfe hängen lassen.

Doch nicht alle Zierpflanzen lassen sich auf diese Art vermehren. „Moderne, gefüllte Blüten bilden oft gar keine Samen“, sagt Wolf-Dieter Blüthner, Dozent an der Thüringischen Gartenakademie in Erfurt. „Ihre inneren Blütenblätter entstanden durch die Umwandlung der Geschlechtsorgane.

“ Bei anderen Sommerblumen wie dem Männertreu, die vom Profi durch Stecklinge vermehrt werden, besteht die Gefahr, dass in der kommenden Generation veränderte Pflanzen auftreten. Das gilt auch für sogenannte F1-Hybride. „Sie sind durch Kreuzung zweier besonders schöner und gesunder Eltern entstanden. Bei Vermehrung bleiben ihre Erbeigenschaften nicht erhalten, sondern sie spalten sich in verschiedene Typen auf“, erklärt Claudia Heger vom Landesverband Braunschweig der Gartenfreunde. Und auch bei Fremdbefruchtern kann man durchaus Überraschungen erleben.

Solche Zufallsprodukte und Neuschöpfungen haben zwar ihren Reiz. Wer aber sichergehen will, dass im kommenden Jahr eine Pflanze wächst, die der diesjährigen gleicht, setzt auf herkömmliche, direkt auszusäende Sommerblumen. „Dazu zählen unter anderem Ringelblumen, Kornblumen, Mandelröschen, Cosmea, Schmuckkörbchen, Jungfer im Grünen, Kapuzinerkresse und Sonnenhut“, zählt Blüthner auf. Für kleine Kinderhände sind die Samen von Sonnenblumen und Wicken ideal zu greifen.

Der beste Zeitpunkt für die Ernte ist von Pflanze zu Pflanze unterschiedlich – genau wie die Blüte. „Wichtig ist, dass man erst zur absoluten Vollreife erntet, sonst haben die Samen nicht ihre hundertprozentige Keimfähigkeit“, sagt Hans-Peter Maier, Ingenieur für Landespflege und Mitinhaber einer Versandgärtnerei in Nersingen (Bayern). Sind die Samen überreif, siedeln sich leicht Keime an. Wann die Blume reif zur Ernte ist, erkennt man am besten an der Farbe: wenn sie in Richtung Braun umschlägt und sich die Samen leicht vom Samenkorb lösen lassen. Bei Wicken und Lupinen geben dunkle Schoten das Startsignal, bei Mohn die sich öffnenden Kapseln.

Die Samen sammelt man am besten, wenn es trocken und warm ist. „Man knipst die Samenkörbchen ab und lässt sie zunächst an einem luftigen, schattigen, warmen Ort in dünnen Lagen ausgebreitet liegen“, sagt Blüthner. Auf saugfähigem Papier, Küchenkrepp oder auf einem Sieb können die Samen trocknen und nachreifen. „Dann werden sie über einem Sieb von den Samenkörbchen abgerieben, ausgeschüttelt oder abgepustet und in einer Papiertüte oder einem Leinensäckchen gelagert.“ Wer den richtigen Moment für die Ernte nicht verpassen möchten, behilft sich mit einem Trick: „Die heranreifenden Samenstände an der Pflanze werden in kleine Säckchen aus Vlies gehüllt, die man unten am Blütenstiel zusammenbindet“, schlägt Maier vor. „So können die Samen an der Pflanze ausreifen und sammeln sich, sobald sie ausfallen, in dem Vlies.“

Mancher Samen darf direkt in die Erde. „Dazu gehören Sommerrittersporn, Kornrade, Kamille oder Malve“, zählt Fachberaterin Heger auf. Ihr Saatgut wird ausgestreut und leicht mit Substrat bedeckt, damit es nicht austrocknet. Als Faustregel gilt: Die schützende Schicht sollte so dick sein wie der Durchmesser des Samens. Noch in diesem Jahr bilden sich dann kleine Pflänzchen.

Die meisten anderen Samen werden besser über den Winter gelagert, damit sie in sehr kalten oder trockenen Monaten im Beet keinen Schaden nehmen. Dazu kommt die saubere, trockene Saat in ein geeignetes Gefäß. „Ideal sind Butterbrottüten oder Briefumschläge – sie sollten auch sofort beschriftet werden“, empfiehlt Heger. Pflanzenname, Fundort und Sammeldatum sind die wichtigsten Angaben. Je geringer die Luftfeuchtigkeit im Winterquartier ist, desto besser. „Ideal sind Temperaturen unter 18 Grad, aber natürlich deutlich über null Grad“, sagt Heger. Maier empfiehlt hingegen die Aufbewahrung in einem dicht verschließbaren Behälter im Kühlschrank. Fachgerecht gelagert, sind die Samen bis zu drei Jahren haltbar.Eva Neumann, dpa

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