Zeitung Heute : Reinecke Optik

Reinhart Bünger

Ganz gleich, durch welches seiner Brillengestelle er die Fußgänger gerade sieht: Nahen Kunden vom Tagesspiegel heran, erkennt Frank Reinecke sie erst, wenn sie ihm schon wieder den Rücken zugedreht haben. Dann nämlich sieht er die mit den Ziffern „26009“ beginnende Telefonnummer, die er wählen soll, wenn die Ware abgeholt werden kann. Tagesspiegler seien weder verhaltens- noch auf eine andere Art auffällig, sagt er. Ihre Brillengläser? Am besten Schwamm drüber. Sie ordern bei ihm Kontaktlinsen, Schrauben und Gestelle oder lassen löten. Meist verlassen sie den Laden mit klarem Durchblick. Es sei denn, es war etwas schiefgegangen: verzogene Perspektiven gleich an der ersten Fußgängerampel, Kollegen, die von einem Tag auf den anderen ganz schräg durch die Gegend laufen, einen nicht mehr zu erkennen scheinen. Und das alles im Gefühl, die eigenen Füße würden ins Leere treten. So etwas konnte bei Reinecke passieren. Allerdings nicht durch ihn, den gelernten Augenoptiker-Meister. Tja, da hatte wohl der Augenarzt einen Fehler gemacht. Alles nicht so schlimm, denn Reinecke begegnet seinen Besuchern mit echter Empathie. Ein zurückhaltender Mensch, der zum Kunden stets wie aus dem Off zu kommen scheint, zumal es in seinem Laden keine Theke gibt. Sein Lächeln ist das Lächeln eines Großstadtliebhabers – etwas fragend, mit einem leichten Augenzwinkern und viel Wohlwollen. Reinhart Bünger

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