Reinemachen in der Stadt : Der Spaziergänger vom Alexanderplatz

Klaus Kurpjuweit

Unser Wowi! Was für ein Tausendsassa! Schon auf dem Sprung ins Kanzleramt! Frau Merkel muss aufpassen, wenn sie weiter dort Chef bleiben will. Denn was unser Regierender anpackt, das klappt! Zweifel? Neee, gewiss nicht. Beispiel gefällig? Da ging der Bürgermeister doch tatsächlich einmal, begleitet von einem großen Medientross, zu Fuß ein paar Schritte durch die Stadt und sah dabei, wenige Meter von seinem Roten Rathaus entfernt, wie hässlich doch der Alexanderplatz ist. Zumindest in den Augen von Wowi.

Die Fassaden der Neubauten haben ihm nicht gefallen, moniert hat er auch fehlende Fenster an der Brandmauer eines neuen Gebäudes, neben dem eines fernen Tages eines der vielen am Alex geplanten Hochhäuser in den Himmel wachsen soll. Und dann erst der Platz selbst: dreckig und unansehnlich, sei er; die schönen Granitplatten, aus China herbeigeschafft und erst vor wenigen Jahren gelegt, vollgeklebt mit den Resten ausgespuckter Kaugummis. Einfach schäbig. Und das war gar nicht gut so.

Doch weil ein Wort von Wowereit eben schwer wiegt, kam nun alles ins Rotieren. Neue Devise: Unser Alex soll schöner werden. Mehrmals im Jahr sollen die Platten nun nass gereinigt werden. Weil die arme Stadtreinigung BSR und der noch ärmere Senat und der ganz, ganz arme Bezirk dafür kein Geld haben, hat der Bezirk Spenden gesammelt. Rund 10 000 Euro wird eine solche Aktion immerhin kosten. Die erste spendiert doch die BSR. Mit dabei ist auch die Deutsche Bahn, deren Bahnhof Alexanderplatz sicher auch von sauberen Platten im Umfeld profitiert.

Dumm ist nur, dass man immer noch nicht weiß, wie man die hässlichen Kaugummiflecken wegbekommt. Da Übung den Meister macht, sollen verschiedene Verfahren getestet werden – Hochdruckreiniger, Dampfstrahler oder auch ein Vereisen der Platten. Hightech eben. Wenn’s klappt, wird der Alex zum Supervorzeigeobjekt einer sauberen Stadt weltweit. Ausgerechnet im so schmuddligen Berlin!

Und die Stadt kann sich noch viel besser herausputzen. Wir müssen den Regierenden nur überreden, auch zu anderen Ecken in der Stadt zu gehen. Dort, wo es Graffiti in Riesendimensionen gibt, wie etwa entlang der Avus. Oder wie wäre es mit einer Fahrt in der U-Bahn, der S-Bahn oder der Straßenbahn? Graffiti an Wänden würde der Saubermacher allerdings oft nicht sehen können, weil die Scheiben der Bahnen so zerkratzt sind, dass ein Blick hindurch gar nicht mehr möglich ist. Und die Hundehaufen auf den Gehwegen, die nicht geleerten Papierkörbe …

Es gibt viel zu tun. Lieber Regierender Bürgermeister: Lassen Sie das Kanzleramt noch warten. Kümmern Sie sich um die Stadt! Klaus Kurpjuweit

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