Zeitung Heute : Reise in die Unterwelt
13.10.2007 00:00 UhrWer würde nicht wenigstens sein halbes Vermögen hergeben, um zu erfahren, was ihn nach dem Tode erwartet? Aber auch das ganze Vermögen nützt uns für diese Zwecke nichts, und so bleibt den Menschen nichts anderes übrig, als das Thema zu verdrängen oder der Phantasie freien Lauf zu lassen.
Welche Vorstellungen die alten Griechen vom „Leben“ nach dem Tode hatten, ist Thema einer Ausstellung, die ab Mitte November im Pergamonmuseum zu sehen sein wird. „Zur Hölle! Eine Reise in die antike Unterwelt“ lautet der Titel einer ernsthaft-vergnüglichen Reise durch das Reich der Toten. Sie wird in Zusammenarbeit zwischen der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin und Studierenden des Winckelmann-Instituts für klassische Archäologie der Humboldt-Universität realisiert.
„Was kommt nach dem Tod? Mit dieser Frage beschäftigen sich Menschen aller Zeiten und Kulturen. Uns hat interessiert, welche Antwort die griechisch-römische Antike, die europäische Urkultur, bereithält“, erläutert Kathrin Schade, die zusammen mit ihrem Kollegen Stefan Altekamp, beide Mitarbeiter des Winckelmann-Instituts, das Seminar geleitet hat. Rund 40 Studierende beschäftigen sich seit zwei Semestern mit der Organisation der Ausstellung. Angefangen beim Lesen zeitgenössischer Quellen über die inhaltliche Gestaltung bis zum Verfassen von Katalogartikeln konnten die Studierenden alle Stationen einer Ausstellungskonzeption durchlaufen.
Wie es nun in der Antike um die Jenseitsvorstellungen bestellt war, darüber geben beispielsweise Homers Werke, hier sei die Odyssee genannt, Auskunft. Aber auch Pindar, Pytagoras mit seiner Theorie der Seelenwanderung, Lucian oder Ovid sind hilfreiche Quellen. Eines ist klar: Verlockend waren die Aussichten aufs Jenseits nicht. „Ob reich oder arm, gut oder böse, nach ursprünglicher Auffassung war der Hades allen Menschen nach dem Tode bestimmt“, erklärt Kathrin Schade.
Ein trüber Ort, dieser Hades, wo die Seelen als Schattenwesen dahinvegetierten. Der Herrscher dieser schwarz- grauen Welt hieß auch Hades und war ein Bruder von Zeus. Erst mit Platon und seinen Ideen von Gerechtigkeit in Staat und Gemeinwesen flossen diese weltlichen Utopien auch in die Vorstellungen vom Jenseits. Einigen wenigen Privilegierten war nun das Elysion bestimmt, das völlige Gegenteil des Hades. Blumig, hell, warm – hier herrschten paradiesische Zustände. Und spätestens hier merkt man, auch wenn einem manche Idee der Antike fremd erscheinen mag: Parallelen zu den weit verbreiteten Vorstellungen unserer Zeit sind nicht zu übersehen.
Natürlich strebten die meisten danach, nach dem Ableben auf die Insel der Glückseligen zu gelangen. Als Erdenbürger konnte man darauf hinarbeiten, indem man tugendhaft lebte. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Mysterienkulte, die viele Anhänger unter der griechischen und römischen Bevölkerung hatten. Verschlagene Gesellen mussten dagegen damit rechnen, in die „Streifabteilung“ des Hades, den Tartaros, zu kommen. Hier sei an Sisyphos erinnert.
„In ihren Vorstellungen über das Jenseits dachten die alten Griechen topographisch“, hebt Kathrin Schade hervor. Wie man sich die Unterwelt vorstellen kann, wird auf einer ansprechenden Karte in der Ausstellung zu sehen sein (siehe Abbildung). Einem der Studierenden ist es gelungen, einen in Neuseeland lebenden Zeichner für das Projekt zu gewinnen, der die Karte gestaltet hat. Zu sehen ist auch der Fluss Styx, der die Grenze zur Unterwelt bildete. Hier wartete schon der Fährmann Charon, der die Toten für einen Obolus auf die andere Seite brachte. „Verstorbenen wurde meist eine Münze in den Mund geschoben, damit sie den Obolus zahlen konnten“, erklärt Kathrin Schade. Auch Bestattungsriten werden in der Ausstellung thematisiert. Am anderen Ufer wartete der dreiköpfige Hund Kerberus, der Höllenhund – der jedermann rein ließ, aber keinen mehr raus. Nur einige wenige Privilegierte durften das „Reich der Schatten“ zeitweilig auch wieder verlassen. Beispielsweise Orpheus, der in die Unterwelt hinabstieg, um seine Verlobte zurück zu holen.
Die Museumsbesucher werden eine Reihe von Stationen durchlaufen. Sie begeben sich auf einen geographisch-atmosphärischen Weg: Themenkomplexe sind das Reich der Schatten, die Unterwelt als Ort der Gerechtigkeitsutopie und als Ort der Frevler und Büßer. Das Elysion sowie die Unterwelt in der antiken Rezeption sind ebenfalls Stationen. Auch die Verarbeitung des Themas in der heutigen Zeit durch Spiel- und Zeichentrickfilme wie die Simpsons, Literatur oder Manga-Comics war den Studierenden wichtig. Groß ist die Freude, dass es der Sponsoringgruppe gelungen ist, finanzielle Unterstützung von verschiedenen Stiftungen, Unternehmen, der Universität und der Humboldt-Universitäts-Gesellschaft zu erhalten. Ohne diese Sponsoren wäre die Ausstellung nicht realisierbar gewesen.
Die Antikensammlung des Pergamonmuseums hat neben Ausstellungsräumen, Technik und Vitrinen auch die 40 Exponate zur Verfügung gestellt, die in der Ausstellung zu sehen sind. Darunter sind auch Stücke, wie etwa großformatige Reliefs, die erstmalig gezeigt werden.
Die Ausstellung „Zur Hölle! Eine Reise in die antike Unterwelt“ ist vom 15. November 2007 bis 2. März 2008 im Pergamonmuseum zu sehen. Mehr Infos im Internet: http://zurhoelle-ausstellung.hu-berlin.de











