Zeitung Heute : Reisebuchungen im Internet: Viele Reisebüros sind immer noch nicht wach geworden

Andreas Möser (Reuter)

Die beiden führenden europäischen Reisekonzerne Preussag und C & N erwarten in den kommenden Wochen die Entscheidung der EU-Wettbewerbskommission über ihr gemeinsam mit T-Online geplantes Internet-Reiseportal. "Wir hoffen, dass wir in den nächsten Wochen alle Hürden überwunden haben werden", sagt Dieter Zümpel, Geschäftsführer der Preussag-Tochter TUI. "Wir müssen das Kartellamt noch ein bisschen davon überzeugen, dass wir offen für alle sind. Und das sind wir."

Ziel sei eine im Markt führende neutrale Plattform für alle Anbieter in Deutschland von Reisen, Flüge, Hotel und anderen Angeboten aus dem Touristik- und Freizeitbereich. "Und wir hätten schon den Ehrgeiz, dass diese Plattform ein großer Player wird", so Zümpel. Mit acht Millionen T-Online-Nutzern überwiegend in Deutschland erschließe sich für die Reisekonzerne ein großer potenzieller Kundenkreis.

Bislang sei der Vertrieb von Reisen per Internet für TUI aufgrund der noch niedrigen Umsätze und der notwendigen Investitionen noch nicht preiswerter als der herkömmliche Vertrieb per Reisebüro, räumt Zümpel ein. Allerdings bleibt TUI bei seinen optimistischen Prognosen. 50 Millionen Mark Online-Umsatz im vorigen Jahr seien weniger als ein Prozent des TUI-Umsatzes von 8,3 Milliarden Mark. Bis 2005 seien sieben bis zehn Prozent im E-Commerce geplant. "Das wären dann bei einem Gesamtumsatz von zehn Milliarden Mark bis zu eine Milliarde Mark. Das ist dann ein Volumen, das sich lohnt."

Der Online-Reisemarkt bleibt aus Sicht Zümpels hart umkämpft. TUI als wichtigste Preussag-Tochter werde auch seine eigene gerade überarbeitete Plattform tui.de weiter ausbauen. Der gesamte Preussag-Konzern stecke im Jahr 120 Millionen Mark in den Ausbau des E-Commerce. Zümpel schloss auch Online-Allianzen mit Internet-Anbietern insbesondere außerhalb Deutschlands nicht aus. "Gehen Sie davon aus, dass wir europäisch denken. Wir sind offen, mit allen zu reden." C & N als Touristik-Tochter von Lufthansa und Karstadt hatte vor einigen Monaten ebenfalls Pläne für ein europäisches Reiseportal angekündigt.

Auch mit den großen US-Reiseportalen Travelocity.com und der Microsoft-Tochter Expedia Inc. habe TUI mehrfach gesprochen. "Wir haben aber bisher kein geeignetes Geschäftsmodell gefunden", sagt Zümpel. Die US-Anbieter müssten zudem lernen, "dass das Geschäft in Europa anders geht". Die in den USA kaum bekannte Pauschalreise sei "hoch emotional" und erfordere mehr Beratungsservice.

Auch Online-Anbieter wie Yahoo oder Online-Buchhändler amazon.com mit einer Kundenbasis von 25 Millionen hätten eine Chance. Reisebüros könnten ebenso online gehen und sich dort etablieren. Doch viele Reisebüros seien "leider auch heute immer noch nicht richtig wach geworden", sagt Zümpel.

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