Zeitung Heute : Reiserecht: Aktuelle Urteile

W.B.

Heiß. Ist Pauschalurlaubern ein klimatisierter Reisebus zugesagt worden, ist die Anlage aber ausgefallen (oder gar nicht vorhanden), so kann eine Reisepreisminderung je nach Dauer der Nutzung des Busses (hier: um 20 Prozent) verlangt werden. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 29 C 69/00-46)

Neonazis. Will eine Gruppe "organisierter Rechtskonservativer" aus Anlass der Reichskristallnacht nach Israel fliegen, wird das jedoch erst nach dem Start der Maschine aus Deutschland bekannt - aber kurz vor dem Abflug bereits vom israelischen Außenministerium als Provokation bewertet -, so kann die Reisegruppe keine Erstattung der Kosten verlangen, wenn die Fluggesellschaft (hier: die Lufthansa) die Neonazis wieder zurückbefördert. (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 1 U 25/00)

Idylle. Wer in der durch den Reiseprospekt genährten Hoffnung, in ein "kleines, idyllisches" Hotel zu fahren, herb enttäuscht wird, weil er in einem Haus wohnen soll, das einen direkten Blick auf eine Tankstelle bietet, der kann sofort zurückfahren und sein Geld zurückverlangen. Letzteres gilt selbst dann, wenn trotz des Mangels die Ferien in dem Haus verbracht werden, weil der Veranstalter den vorzeitigen Rücktransport verweigert. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 516/98)

Salmonellen. Pauschalurlauber können vom Reiseveranstalter keine Reisepreisminderung verlangen, wenn sie während der Ferien an Salmonellen erkranken - auch wenn sie behaupten, trotz Halbpension nicht außerhalb der Hotelanlage gegessen zu haben. Es könnte sein, dass sie sich die Erkrankung bei (nicht im Voraus gebuchten) Mittagessen zugezogen haben, wofür der Reiseveranstalter nicht verantwortlich ist. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 115/00-24)

Frist. Auch wenn ein Reisebüro die Beschwerde eines Pauschalurlaubers entgegen nimmt und an den Reiseveranstalter weiterleitet, muss die Monatsfrist nach Rückkehr aus dem Urlaub eingehalten werden, andernfalls der Veranstalter die Reklamation zurückweisen kann und das Reisebüro gegebenenfalls seinem Kunden gegenüber schadenersatzpflichtig ist. (Landgericht Düsseldorf, Aktenzeichen: 22 S 65/99)

Uneben. Verletzt sich eine Urlauberin beim Sturz auf einem nicht geebneten Weg in ihrer Hotelanlage, so kann sie beim Reiseveranstalter Schmerzensgeld (hier: in Höhe von 5000 Mark) und eine Reisepreisminderung (hier: rund ein Drittel) geltend machen, weil der Veranstalter nicht nur das Hotel auf seine Sicherheit überprüfen muss, sondern auch die zur Anlage gehörenden Wege. (Oberlandesgericht Bamberg, Aktenzeichen: 1 U 20/96)

Biene. Auch wenn eine Pauschalurlauberin an einer Bienenstich-Allergie leidet, ist sie nicht berechtigt, ihren Urlaub auf Kosten des Reiseveranstalters abzubrechen, wenn am Ferienort ein Bienenschwarm vorhanden war, der erst nach drei Stunden wieder eingesammelt werden konnte - auch wenn sie mehrfach gestochen wurde. Die "Störung" des Urlaubs ist als "Verwirklichung des allgemeinen Lebensrisikos" zu werten. (Landgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 2/24 S 433/98)

Rat. Der Fluggast muss rechtzeitig am Abfertigungsschalter seiner Fluggesellschaft erscheinen. Ansonsten verliert er seinen Beförderungsanspruch, heißt es in der jetzt erschienenen Neuauflage des vom Deutschen Taschenbuch Verlag (dtv) in München herausgegebenen Ratgebers "Reiserecht von A-Z" (21,50 Mark). Umgekehrt hat demnach die Fluggesellschaft die Pflicht, im Flugschein die genaue Meldeschlusszeit anzugeben. Üblich sind im Geschäftsreiseverkehr 20 bis 30 Minuten vor Abflug, solange kein Gepäck aufgegeben wird, bei längeren Flügen 90 Minuten.

Gewonnen. Auch wenn eine Reise in einem Preisausschreiben gewonnen wurde, ist der Reiseveranstalter verpflichtet, dem Urlauber einen Sicherungsschein (der im Konkursfall zum Beispiel davor bewahrt, auf eigene Kosten nach Hause fliegen zu müssen) auszuhändigen. (Oberlandesgericht München, Aktenzeichen: 6 U 4175/99)

Lärmpegel. Zwar müssen Pauschalurlauber in südlichen Ländern "ein gewisses Maß an Lärmbelästigung als ortsüblich" akzeptieren, nicht jedoch einen "konstanten Lärmpegel" bis in die Morgenstunden aus einer nahe gelegenen Diskothek, wenn der Reiseprospekt eine "ruhige Lage" versprochen hatte (hier brachte das eine Reisepreisminderung um 20 Prozent). (Oberlandesgericht Köln, Aktenzeichen: 16 U 42/99)

Schmutzpool. Erkrankt eine Urlauberfamilie (hier: an Amöbenruhr), weil der Pool des Hotels nicht gereinigt wurde, so kann sie bei Abbruch der Reise den gesamten Preis (hier: knapp 10 000 Mark) zurückfordern, wenn bewiesen ist, dass sie den Hotelbereich bis zur Abreise nicht verlassen hat und auch andere Gäste erkrankt sind. (Urteil am Oberlandesgericht München, Aktenzeichen: 26 U 4306/99)

Umbuchung. Wer trotz eines Aufpreises für den Flug mit einer Condor-Maschine auf eine ausländische Gesellschaft umgebucht wird, die zudem mit zehnstündiger Verspätung hin- und mit siebenstündiger "Verfrühung" zurück fliegt, der hat Anspruch auf Rückzahlung des Aufpreises (hier: 300 Mark für zwei Personen) sowie der durch die Flugzeiten entstandenen Aufwändungen (hier: 188 Mark). (Amtsgericht Hersbruck, Aktenzeichen: 3 C 1634/98)

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