Zeitung Heute : Reiserücktritt, Gepäckverlust, fristgerechter Beschwerdebrief und anderes

W. B.

Absage. Sagt ein Vater eine Urlaubsreise mit seinem Sohn ab (hier: nach Mallorca), weil er befürchtet, dass sein Sohn dort erkrankt - an einer Hirnhautentzündung, was nach den Informationen des Vaters auf den Balearen in der fraglichen Zeit vor dem geplanten Reisebeginn in mehreren Fällen passiert war -, so muss ihm die Reiserücktrittskostenversicherung die Stornogebühren nicht ersetzen, weil solche Besorgnis keinen Krankheitswert hat. (Landgericht Kleve, Aktenzeichen: 6 S 100/97)

Verlust. Reisende, die wertvollen Schmuck im Gepäck befördern, haben beim Verlust des Koffers keinen Anspruch auf vollen Ersatz aus der Reisegepäckversicherung, weil beim heutigen Massenverkehr "stets mit der Möglichkeit des Verlustes aufgegebener Gepäckstücke gerechnet" werden muss. (Amtsgericht Baden-Baden, Aktenzeichen: 6 C 58/98)

Frist. Fordert ein Pauschalurlauber vom Reiseveranstalter einen Teil des Reisepreises zurück, weil es erhebliche Mängel gegeben hatte, so muss sein Beschwerdebrief spätestens einen Monat nach Rückkehr aus den Ferien dort eingehen. Dies muss aber bis zum Ende der beim Reiseveranstalter üblichen Bürozeiten geschehen (hier wurde der Brief um 19 Uhr 25 in den Hausbriefkasten geworfen und damit, um 18 Uhr war Geschäftsschluss, zu spät). (Landgericht Hamburg, Aktenzeichen: 317 S 163/98)

Vertrauen. Wer nach einem Bandscheibenvorfall im Ausland (hier: in Tunesien) kein Vertrauen in die Kunst der heimischen Ärzte hat (hier wurde eine Operation für erforderlich gehalten), der darf auf Kosten seiner Auslandsreise-Krankenversicherung nach Deutschland zurückfliegen, im vorliegenden Fall kostete das 22 000 Mark. (Urteil am Landgericht Paderborn, Aktenzeichen: 3 O 151/99)

Toleranz. Es liegt kein Reisemangel mit der Folge einer Reisepreisminderung vor, wenn bei einem All-inclusive-Aufenthalt (hier: in einer spanischen Ferienanlage) im Speisesaal am Nachbartisch geistig Behinderte und junge Behinderte mit Schüttellähmung sitzen, die dort gefüttert werden "und unartikulierte Laute ausstoßen", weil Nichtbehinderte Behinderte nicht diskriminieren, sondern ihnen "eine besondere Toleranz entgegenbringen" sollten. (Amtsgericht Kleve, Aktenzeichen: 3 C 460/98)

Rollstuhl. Eine Pauschalurlauberin, die sich nur im Rollstuhl fortbewegen kann, hat keinen Anspruch auf eine Minderung des Reisepreises, wenn sie bei einer Rundreise durch Florida (USA) in zwei Hotels nicht mit ihrem Rollstuhl durch die Zimmertür fahren konnte, wenn sie den Reiseveranstalter nicht vorher ausdrücklich darauf aufmerksam gemacht hatte, dass ausreichend breite Türen Bedingung für ihre Mitreise sei. (Amtsgericht Frankfurt am Main, Aktenzeichen: 29 C 1719/98-46)

Lärmpegel. Müssen Pauschaltouristen nächtliche Feuerwehralarme und tagsüber bis 20 Uhr das Dröhnen von Presslufthämmern hinnehmen, die es den Urlaubern so gut wie unmöglich machten, sich tagsüber in ihren Zimmern auszuruhen (hier wurde ein "unvorstellbarer" Lärmpegel reklamiert), dann können sie eine Reisepreisminderung (hier: in Höhe von 40 Prozent) geltend machen. (Amtsgericht Bad Homburg, Aktenzeichen: 2 C 1095/97-12)

Untersagt. Schließt ein Urlauber in spe während einer bereits bestehenden Krankheit eine Reiserücktrittskostenversicherung ab, so muss die Versicherung nicht leisten, wenn der Medizinische Dienst der Krankenkasse den Urlaub untersagt, andernfalls die Leistungen eingestellt würden. (Amtsgericht München, 263 C 335/99)

Lüftchen. Grundsätzlich muss eine Markise, die an einem Ferienhaus angebracht ist, einer Windböe standhalten. Dem Urlauber kann nicht zugemutet werden, die Markise bei jedem Lüftchen einzurollen. (Amtsgericht Bad Homburg, 2 C 4376/94-16)

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