Zeitung Heute : Renault: Avantime und Videokunst

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Er fällt als Auto aus dem gewöhnlichen Rahmen - der neue Renault Avantime. Denn mit ihm realisiert Renault ein völlig neues Fahrzeug der Oberklasse. Es fällt nicht leicht, dieses Auto einzuordnen. Seiner Silhouette nach hat es viel von einem Minivan. Dann steckt in ihm eine Menge Kombi, auch wenn das eigenwillige Stummelheck mit der Dachpartie und dem senkrecht stehenden gerundeten Heckfenster, das an den Rumpler-Tropfenwagen der Zwanziger erinnert, hier völlig neue Formen einführt. Mit seinen nur zwei extrem breiten Türen mit einem neuartigen zweistufigen Schwenk-Mechanismus an den Flanken betont er seinen Coupé-Anspruch - allerdings in einer statt flach nun betont hoch bauenden Karosserie, in der man höher sitzt als in einer normalen Limousine. Kurzum ein Auto, das in Design und Konzept neue Maßstäbe setzt - für manchen ist das eine Provokation.

Das war auch die Video-Kunst des Koreaners Nam June Paik, der als Anti-Kunst-Künstler der Fluxus-Gruppe gemeinsam mit Joseph Beuys, Wolf Vostell und anderen und beeinflusst von John Cage um 1960 für Aufsehen sorgte. Heute gilt der 68 Jahre alte Koreaner als der "Vater der Videokunst". Seine Installationen haben Eingang ins Guggenheim Museum New York gefunden, werden in Soeul präsentiert und von heute an bis zum 30. Januar täglich von 14 bis 23 Uhr auch in Berlin - als Rahmen für die Präsentation des Renault Avantine in der Nicolaikirche in Berlin.

Es ist eine ungewöhnliche Szene mit ungewöhnlichen Objekten, die sich den Besuchern dort präsentiert. Gezeigt werden die Kunstobjekte und das Auto im Rahmen der Ausstellung "ArtAvantime - eine Inszenierung auf Tour", die nach Stationen in Köln, München und Hamburg nun den Weg nach Berlin gefunden hat. Inszeniert wird diese Präsentation von dem Hamburger Video-Aktivisten Thomas Wegener, der aus 18 Tonnen grobkörnigem Steinsalz eine einzigartige Sammlung von Videoskulpturen des koreanischen Künstlers zusammengestellt hat. Schwerpunkt der in Berlin präsentierten Installation ist die "Turtle" genannte Schildkröte, deren Panzer aus 154 Fernsehmonitoren gestaltet ist. Weitere Objekte sind das "TV-Bed", und "Beuys-Voice". Diese Objekte sind allerdings nur ein Element einer Gesamtinszenierung. Ihr zweiter Schwerpunkt ist die Deckeninstallation "Planet Walk" von Thomas Wegener, ein Fantasieobjekt, eine audi-visuelle Installation, die den Besucher auf eine ungewöhnliche Zeitreise schickt, ein Spiel mit der Geschwindigkeit, das uns die Relativität unserer Wahrnehmung von "Zeit" verdeutlicht. Und drittes Element ist die Neukomposition alter Choräle durch den Hamburger John Groves, die den akustischen Rahmen für diese interessante Präsentation bietet.

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