Zeitung Heute : Renault: Nie wieder kuppeln

Ingo von Dahlern

Dichter Berufsverkehr in der Stadt, ständige Ampelstops, Staus auf Autobahnen und Landstraßen - das sind Verkehrssituationem, die wir heute immer öfter antreffen. Und da kann es ganz schön nerven, wenn man in unseren mit Schaktgetriebe ausgestatteten Autos ständig die Kupplung treten, anfahren, bremsen und permanent schalten muss. Das sind die Momente, in denen man sich ein Getriebe wünscht, das einem die Schaltarbeit abnimmt und das ständige Kuppeln überflüssig macht, so dass der linke Fuß im Pedalraum ruhen kann.

Noch immer viele Einwände

Allerdings haben viele Autofaher insbesondere in Deutschland noch immer große Einwände gegen Automatikgetriebe, die diese Aufgabe ünernehmen könnten. Denn abgesehen vom meist recht hohen Aufpreis für die Automatik müssen sie in aller Regel auch einen höheren Kraftstoffverbrauch einkalkulieren. Aber es gibt heute immer öfter und bei immer mehr Herstellern eine attraktive Alternative zur klassischen Automatik - das Schaltgetriebe nämlich, das man nicht schalten muss. Diese Aufgabe übernehmen nämlich elektrisch angetriebene Stellmotoren. Und solche Motoren übernehmen zugleich aus das Ein- und Auskuppeln. Deshalb haben Wagen mit sogenannten automatisierten Schaltgetrieben ebenso wie Wagen mit klassischer Automatik auch kein Kupplungspedal mehr.

Angeboten werden solche automatisierten Schaltgetriebe heute vor allem in den unteren und mittleren Fahrzeugklassen Zu den neuesten Modellen mit dieser Technik gehören zum Beispiel der Opel Corsa mit der sogenannten Easytronic sowie von Juni an der kleine Renault Twingo mit dem Quickshift-5-Getriebe. Kombiniert ist dieses Getriebe mit dem erst jüngst als zweitem Triebwerk im überarbeiteten Twingo eingeführten 1,2-Liter-16V-Motor mit einer Leistung von 55 kW (75 PS). Und mit einem Preis von 1076 DM ist dieses Getriebe auch sehr erschwinglich.

Da das Quickshift-Getriebe ein Fünfgang-Schaltgetriebe ist, sind sowohl die Fahrleistungen als auch der Durchschnittsverbrauch mit diesen Getriebe identisch mit den Werten von Fahrzeugen mit normalem Handschaltgetriebe. Und wer beim Quickshift-Getriebe das Schalten der Automatik überlässt, kann sogar noch sparsamer unterwegs als mit klassischer Handschaltung. Denn die Elektronik, die das Schalten von Quickschift steuert, erkennt die optimalen Schaltpunkte besser als die meisten Fahrer und schaltet deshalb schlicht intelligenter. Das Ergebnis sind Kraftstoffeinsparungen von bis zu fünf Prozent.

Dem Lenker eines Fahrzeugs mit Quickshift 5 bietet sich statt des üblichen Schalthebels ein Joystick-Schaltknauf mit einem darin platzierten "Mode"-Schalter, mit dem man vom Quickshift-Modus mit manueller Gangwahl auf den automatik-Modus umschalten kann. In dem arbeitet das Getriebe ebenso wie ein klassischer Fünfgang-Automat. Da die Steuerung des Getriebes für den Automatik-Modus lernfähig ist, berücksichtigt sie beim Errechnen der optimalen Schaltpunkte nicht nur Fahrgeschwindigkeit, Beschleunigungs- und Verzögerungsvorgänge und das Straßenprofil, sondern auch den Fahrstil des Fahrzeuglenkers, der sich aus dessen Gas- und Bremspedalbewegungen ermitteln lässt.

Mit praktischer Kriechfunktion

Außerdem hat das Getriebe im Automatik-Modus eine dynamische Kickdown-Funktion. Sie ermöglicht, etwa beim starken Beschleunigen, beim Überholen und bei besonders heftigen Bremsmanövern besonders pontane und zügige Gangwechsel. Das Einparken und das Anfahren am Berg erleichtert die sogenannte Kriechfunktion. Denn in der ersten Fahrstufe und beim Rückwärtsfahren bewegt sich das Fahrzeug, sobald die Bremse losgelassen wird, ganz langsam in die gewünschte Richtung. Beachten muss man allerdings auch, dass es sich bei diesem Getriebe um ein Schaltgetriebe handelt, das deshalb auch nicht über die für Automatikgetriebe übliche P-Stellung zum Parken verfügt. Man muss dieses Auto also beim Parken stets mit der Handbremse sichern.

Wer statt im Automatik-Modus zu fahren lieber selbst die Gangwahl übernehmen möchte, wählt den Quickshift-Modus. In den wird sequenziell geschaltet, indem man den Joystick-Schaltknauf zum Hochschalten kurz nach vorne und zum Herunterschalten kurz nach hinten drückt. Kuppeln muss man nicht, da diese Aufgabe von Elektromotoren übernommen wird - und man kann es auch nicht, weil das Kupplungspedal fehlt. Im Unterschied zu sequenziellen Getrieben im Rennsport kann man beim Quickshift 5 im Handschaltbetrieb auch Gänge überspringen. Zum Herunterschalten von fünften in den zweiten Gang reicht es, den Schalthebel drei Mal kurz nach hinten zu bewegen. Allerdings wird das Getriebe ein solches Kommando nicht ausführen, wenn die Gefahr besteht, dass der Motor überdreht und das Getriebe beschädigt wird. Das heißt, dass dank elektronisher Überwachhung falsche Schaltmanöver unterdrückt werden.

Auch im Handschaltmodus gibt es ein paar automatische Funktionen. So schaltet das Getriebe beim starken Bremsen automatisch in den der Fahrgeschwindigkeit angemessenen Gang zurück. Wird man langsamer als sieben km/h, wird automatisch der erste Gang eingelegt. Geschaltet werden kann übrigens bei jeder Gaspedalstellung - also auch bei voll durchgetretenem Gaspedal.

Mit Klimaanlage kombinierbar

Der Twingo 1.2 16V erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 168 km/h und spurtet binnen 11,7 Sekunden auf Tempo 100. Sein Durchschnittsverbrauch liegt bei 5,9 l/100 km und bei den Abgasen erfüllt er die Norm D4. Und da das Quickshift 5-Getriebe ein normales Schaltgetriebe ist, kann man es jederzeit auch mit einer Klimaanlage im Fahrzeug kombinieren.

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