Zeitung Heute : Rendezvous mit Nofretete

Morgen gewähren bis zwei Uhr nachts mehr als 80 Museen und kulturelle Einrichtungen einen Blick hinter ihre Kulissen

Waltraud Hennig-Krebs

Warum gibt es Gerichtszeichner? Wer trifft Entscheidungen über Neuanschaffungen in einem Museum? Was macht eigentlich die Stasi-Unterlagen-Behörde mit den Akten? Fragen, auf die es bei der 17. Langen Nacht der Museen eine Antwort gibt. Diese traditionelle Veranstaltung lässt für Tausende von Besuchern seit neun Jahren zwei Mal im Jahr die Nacht zum Tag werden. Über 80 Museen und Institutionen laden morgen unter dem Motto „Sammeln, forschen und bewahren“ zwischen 18 und 2 Uhr zu Erkundungstouren ein. Etliche dieser Einrichtungen geben Einblicke auch in jene Bereiche ihrer Arbeit, die den Besuchern meist verborgen bleiben.

Erstmals mit dabei ist die Berlinische Galerie, die seit 100 Tagen im neuen Haus gleich hinter dem Jüdischen Museum eindrucksvoll Kunst aus Berlin der letzten hundert Jahre präsentiert. Auch das Schloss Britz reiht sich als Teilnehmer zum ersten Mal in die Museumsnacht ein. Dort steht der Berliner Operettenkönig Paul Lincke im Mittelpunkt der Präsentation. Letztmalig hält Nofretete Hof zur nächtlichen Stunde im Ägyptischen Museum, bevor sie und alle anderen Exponate des Hauses im Laufe des Jahres auf die Museumsinsel übersiedeln.

Logistischer Mittelpunkt der Langen Nacht ist wie in den Jahren zuvor der Platz vor dem Roten Rathaus. Hier können Spätentschlossene ab 16 Uhr Tickets kaufen, die Info-Stände der Berliner Museen besuchen oder etwas essen und trinken. Vom Roten Rathaus aus sind ein gutes Dutzend Museen im Nikolaiviertel und auf der Museumsinsel zu Fuß zu erreichen. Und im Rathaus selber präsentiert sich Kopenhagen mit einer Ausstellung, musikalischen Darbietungen und einem Büfett (siehe Seite 33).

Sieben der neun speziell zusammengestellten Routen beginnen und enden in der Spandauer- oder Rathausstraße. Sie werden von besonders gekennzeichneten Bussen befahren. Besitzer einer Kombikarte können nach Belieben an den ausgewiesenen Haltestellen die Strecken wechseln oder zu- beziehungsweise aussteigen. Die Karte kostet für Erwachsene zwölf Euro (ermäßigt acht Euro), Kinder haben freien Eintritt. Das Ticket schließt sowohl die Eintrittsgelder der kulturellen Einrichtungen als auch die Benutzung des öffentlichen Nahverkehrs des Tarifbereichs ABC – von Sonnabend 15 Uhr bis Sonntag 5 Uhr – für die An- und Abfahrt zur Langen Nacht ein.

Das kulturelle Programmangebot ist wieder ausgesprochen vielfältig. So erleben beispielsweise Teilnehmer der Route 9, die am U-Bahnhof Dahlem-Dorf beginnt und endet, einige Überraschungen. Besucher können in den Museen unter anderem Lesungen im Beduinenzelt lauschen oder Typisches aus Japan auf der Leinwand kennen lernen – jenseits von stiller Ästhetik und Sushi-Bars: Gezeigt werden von 24 bis 5 Uhr morgens „Japanische Mythen und Monstren“.

Wer von der Mitte Berlins in den Süden fährt (Route 5 ), sollte um 22 Uhr 30 im Museum Neukölln vorbeischauen. Dort zeigen Performance-Künstler als Ausblick auf die Olympischen Spiele 2008 in Peking jahrtausendealte Kampfkünste Chinas. Und im Böhmischen Dorf wird in der Rixdorfer Schmiede demonstriert, wie sich handwerkliche Techniken aus vergangenen Zeiten bewahren lassen. Eine „Reise in die Zukunft“ wagen Jugendliche aus fünf Schulen in den Treptowers der Allianz Versicherungs-AG anhand unterschiedlichster künstlerischer Arbeiten. Sie überraschen unter andem mit Lebensträumen und Technikvisionen. Neben der Kunst im Gebäude lässt sich von den Bürotürmen aus eine faszinierende Aussicht auf das nächtliche Berlin genießen.

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