Zeitung Heute : Rette sie, wer kann

Der H5N1-Erreger nistet sich offenbar bleibend in der Türkei ein. Wie wird dem Land bei der Bewältigung der Vogelgrippe jetzt geholfen?


In Werbespots für das internationale Fernsehpublikum präsentiert sich die Türkei gern als modernes, innovatives Land: Ein ganzer Staat braust da auf dem Highway der Globalisierung davon. Doch die jüngsten Schreckensnachrichten über die grassierende Vogelgrippe trüben das Bild. Bisher haben sich mindestens 19 Türken mit dem Killervirus H5N1 infiziert, erst am Sonntag wurde ein fünf Jahre alter Junge positiv getestet. Ums Leben gekommen sind bisher mindestens drei Personen. Angesichts der Ereignisse wurde der türkischen Regierung relativ schnell klar: Nur mit Hilfe von außen können die heimischen Experten das Killervirus stoppen.

„Trotz der bisher angelaufenen Maßnahmen droht sich das Virus weiter auszubreiten“, warnt auch die Welternährungsorganisation (FAO). Sie hat bereits die Nachbarländer der Türkei ermahnt, sich für den Ernstfall zu rüsten.

Was können UN- Agenturen nun konkret tun, um Ländern wie der Türkei nach dem Ausbruch der Vogelgrippe zu helfen? Die FAO und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stehen den Türken vor Ort zur Seite. Die WHO schickte Teams nach Ankara und in die betroffenen Regionen in der Osttürkei. „Die Kooperation mit dem Gesundheitsministerium läuft gut“, sagte Klaus Stöhr, Leiter des WHO-Grippeprogramms, dem Tagesspiegel. Er koordiniert von Genf aus den Einsatz der Fachleute in der Türkei. Die Experten sollen zunächst bei der so genannten Risikoeinschätzung mithelfen. „Wir wollen die Frage beantworten, ob sich das Virus verändert hat“, sagte Stöhr. Bis jetzt springt das Virus nur von Tier zu Tier und vom Tier auf den Menschen. Sollte es jedoch mutieren, könnte es sich auch von Mensch zu Mensch verbreiten. „Das wäre der Beginn einer globalen Grippewelle“, erklärt Stöhr. Für diesen Fall fürchtet die WHO „hunderte Millionen Fälle schwerer Erkrankungen und Millionen Tote“. Weiter unterstützen die WHO-Fachleute die Türken bei den Untersuchungen in den Labors, bei der Infektionskontrolle in Krankenhäusern und in der Forschung.

Die WHO drängt die türkische Regierung, die Wahrheit über die Seuche zu sagen. „Da darf nichts vertuscht werden, später müssten viele Menschen für die Lügen einzelner Personen zahlen“, warnt ein WHO-Mitarbeiter, der anonym bleiben will.

Auch die Welternährungsorganisation verlangt totale Transparenz. „Infiziertes Geflügel muss sofort gemeldet werden“, sagt Juan Lubroth, FAO-Veterinär. Die Organisation legte den Türken ein Bündel von Empfehlungen auf den Tisch: Von Notschlachtungen über Tierimpfungen bis hin zu striktem Transportverbot für Vögel. „Die Türkei muss eine zentral koordinierte, landesweite Kontrollkampagne anwenden“, fordert Lubroth. Dabei dürfe der Staat nicht knausern. Die Veterinäre bräuchten jegliche finanzielle Hilfe.

Letztlich sehen sich die internationalen Experten als eine Art Feuerwehr – und die Türkei ist nur ein Brand unter vielen. „Insgesamt haben wir in 13 Ländern Ausbrüche der Vogelgrippe unter Tieren, in fünf Ländern sind Menschen befallen“, sagt WHO-Mann Stöhr. Nach Schätzungen wird es zum Beispiel in Asien drei bis fünf Jahre dauern, um das Killervirus vollständig zu eliminieren.

Stöhr und seine Mitstreiter ahnen: Die Türkei wird wohl nicht ihr letzter Fall bleiben.

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