Zeitung Heute : Retter in der Not

KEVIN CLARKE

Benefiz-Konzert des RSB zugunsten des Brandenburger DomsKEVIN CLARKESchuld ist der märkische Sand.Denn er trägt den Bau nicht, den die Brandenburger Gott zu Ehren einst errichteten.Das Gemäuer bekam, über 800 Jahre nach der Grundsteinlegung, einen Riß und droht nun auseinanderzubrechen: Opus 36 "nach Worten der Heiligen Schrift" sollte Hilfe bringen.Das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin und sein Chefdirigent Rafael Frühbeck de Burogs veranstaltete ein Benefizkonzert, dessen Erlös der Rettung des Doms Brandenburg zugedacht war, dem wohl wichtigsten mittelalterlichen Baudenkmal nördlich der Elbe.Doch leider wurde aus dem noblen Plan nichts - kaum jemand kam in den großen Saal des Schauspielhauses.Weswegen der finanzielle Gewinn bescheiden ausgefallen sein dürfte.Und das, obwohl ein einst populäres, wenn auch heute seltener zu hörendes Werk auf dem Programm stand: Felix Mendelssohn Bartholdys Oratorium "Paulus".Zudem in einer ganz wunderbaren Wiedergabe.Vom ersten Ton der Ouvertüre an überraschte das RSB mit perfekter Ausbalanciertheit.Die Musiker fühlten sich in Mendelssohns Apostelgeschichte hörbar wohl.Ob in den ruhigen Chorälen, den elegischen Arien oder den vorandrängenden Passagen.Liebevoll wurden Details hervorgehoben, Soli wie etwa das des Cello in der Tenor-Kavatine "Sei getreu bis in den Tod" mit wahrer Hingabe gespielt.Auch dem Rundfunkchor Berlin gebührt Lob, der die vielen Stimmungswechsel von andächtiger Getragenheit bis zu solch furiosen Stellen wie "Steiniget ihn!" souverän meisterte.Das hatte Klasse, die von den Solisten nicht ganz erreicht wurde.Obwohl sie abwechselnd als Erzähler durch die Geschichte führen müssen, waren sie wenig um plastische Textgestaltung bemüht.Wo das Orchester jede noch so kleine Nuance auskostete, sangen sie meist über Feinheiten hinweg.Dafür allerdings schön: Olaf Bär als nobler Paulus, Endrik Wottrich als nuschelnder Stephanus und Melinda Paulsen als Altsolistin.Am meisten gefordert war Alexandra Coku mit den vielen Rezitativen für Sopran. Und der Dom? Brachte der Kartenverkauf auch wenig Gewinn, so fließen vielleicht vom Deutschlandradio, das das Konzert aufzeichnete, einige Mark in die leere Kasse der Denkmalschützer: Dann würden Felix und sein Opus 36 doch noch zu Rettern in der Not. Interessenten am "Dom zu Brandenburg" wenden sich an H.-U, Gräber, Burghof 11, 14776 Brandenburg; Tel.0 33 81-22 43 90. 

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